Ausblick
Das erwartet die Reformierten 2025
Fusionen
Zusammenschlüsse beschäftigen die Kirchgemeinden weiterhin. In der Stadt Bern beispielsweise wurden die Weichen gestellt, um die zwölf Kirchgemeinden auf Stadtgebiet zu einer zu fusionieren. Die Glarner Synode hat beschlossen, dass künftig erfolgreiche Fusionen von Kirchgemeinden subventioniert werden sollen. Im Kanton St. Gallen sind Kirchgemeinden neu verpflichtet zu fusionieren, wenn sie vom Finanzausgleich profitieren, aber gleichzeitig weniger als 1000 Mitglieder haben. In der Zürcher Landeskirche ist das Fusions-Grossprojekt «Kirchgemeinde Plus» im Herbst mit einem Bericht zwar offiziell abgeschlossen worden. Doch der Synode fehlte «eine kirchenpolitische und ekklesiologische Analyse des ganzen Prozesses durch den Kirchenrat». Die Diskussion wird also weiter gehen.
Missbrauch
Eine reformierte Missbrauchsstudie ist fürs Erste vom Tisch, aber das Thema bleibt aktuell. Derzeit sind «Grundlagen und Standards zum Schutz der persönlichen Integrität innerhalb der EKS und ihrer Mitgliedkirchen» in der Vernehmlassung bei Kantonalkirchen und externen Organisationen. Eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Missbrauch auseinandersetzt, hat im Oktober 2024 ihre Arbeit aufgenommen.
Finanzen
Die Steuereinnahmen vieler Landeskirchen gehen zurück. Die Landeskirchen suchen deshalb nach alternativen Einnahmemöglichkeiten, etwa durch die Vermietung von Gebäuden. Zudem müssen sie den Rotstift ansetzen: Der Zürcher Kirchenrat hat angekündigt, in zwei Tranchen jeweils 5 Prozent der Kosten einzusparen. Begonnen wird bei der Administration. Im Thurgau wird die Gesprächssynode gestrichen und Projekte wie ein Band- und Songwritingwettbewerb werden nicht durchgeführt. Sparen heisst auch, wie etwa in der Aargauer Landeskirche, dass sich Kirchgemeinden von Immobilien trennen müssen, die zu hohe Kosten verursachen. Die Schaffhauser Synode hingegen hat beschlossen zu sparen, um höhere Gehälter zahlen zu können. Damit sollen noch unbesetzte Stellen attraktiver werden.
Nationale Koordinationsstelle «Seelsorge im Gesundheitswesen»
Katholiken und Reformierte wollen künftig in der nationalen Politik mitreden, wenn es um Gesundheitspolitik geht. Deshalb haben sie eine gemeinsame Lobbyistenstelle geschaffen und den entsprechenden Vertrag im Dezember in Engelberg unterzeichnet. Diesem festlichen Akt ging ein langer Vorbereitungsprozess voraus und auf reformierter Seite auch eine kritisch geführte Diskussion über den Sinn und die Kosten der Koordinationsstelle. In Engelberg trafen sich die Vertreterinnen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), die Vertreter der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) und der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ) zwar in Minne. Doch in den Statements der katholischen Vertreter klang an, dass die Zusammenarbeit über die Konfessionsgrenze hinweg nicht reibungslos war und auch in Zukunft nicht ganz einfach sein dürfte.
«Refine» – die Jugend ins Boot holen
Am Reformationswochenende findet in Zürich das mehrtägige Jugendfestival «Refine» statt. Jugendgottesdienste, Workshops und Shows sollen Jugendliche ansprechen. Das Motto der Veranstaltung lautet «Alles ist möglich». Die reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz tragen das Projekt finanziell, organisiert wird die erste Ausgabe durch die Schaffhauser und die Zürcher Landeskirche. Danach soll «Refine» alle zwei Jahre durch eine andere Landeskirche ausgerichtet werden.
Am Selbst-Bewusstsein arbeiten
Die Zahl der austretenden Mitglieder kennt nur eine Richtung: Nach oben. Gelder fliessen nicht mehr selbstverständlich an die Kirchen. In Zürich befindet der Kantonsrat im Februar über die Staatsbeiträge an Tätigkeiten der Kirchen mit Nutzen für die gesamte Gesellschaft. Im Kanton Bern prüft die Politik, ob Unternehmen weiterhin Kirchensteuern leisten müssen. Für die Verantwortlichen in den Landeskirchen stellt sich unter anderem die Frage, ob sich die Kirche durch die wenig schmeichelhaften Austrittszahlen definieren lässt und man sich deshalb vor einem Bedeutungsverlust fürchtet. Oder ob man sich selbst als wichtige gesellschaftliche Institution wahrnimmt und nach aussen auftritt.
Täufer-Jubiläum
Am 21. Januar 1525 liess sich ein Mann in Zürich mit einer Schöpfkelle Wasser über das Haupt giessen und auf diese Weise taufen. Er gehörte zu einer Gruppe Reformierter, die am linken Flügel der neuen Bewegung stand. Ihr Programm: Gewaltverzicht, Trennung von Kirche und Staat sowie Taufe von Erwachsenen anstelle der Kindstaufe. Denn: Nach ihrem Verständnis ist die Taufe ein Bekenntnis zu Gott und das könne nur ein Erwachsener abgeben. Die Ideen kamen nicht gut an, die sogenannten Täufer wurden verfolgt und vertrieben. Ende Mai führe die Nachfahren der Täufer in Zürich ihren Weltkongress durch.
Neue Impulse für kirchliche Berufe
Wer eine Ausbildung für einen Beruf im kirchlichen Umfeld abschliesst, hat derzeit praktisch eine Jobgarantie. In allen Bereichen werden Arbeitskräfte gesucht. Am prominentesten ist – noch immer – das Problem der fehlenden Pfarrpersonen. Vieles tut sich in diesem Bereich.
Die Mitgliederkirchen des Konkordats können sich im Rahmen einer Vernehmlassung zur Notfallmassnahme «Plan P» äussern. Dieser sieht vor, dass im Fall einer Notlage Akademikerinnen und Akademiker ab 55 Jahren nach einer kurzen Ausbildung und unter enger Betreuung ein Pfarramt übernehmen können. Der innovative Vorschlag wird kontrovers diskutiert.
Um das Quest-Studium aufzunehmen genügt neu bereits der Bachelor. Damit sollen mehr Interessierte den Quereinstieg in das Theologiestudium vollziehen.
In den Landeskirchen werden weitere Ideen diskutiert. So setzte sich letztes Jahr die Synode der Aargauer Landeskirche mit einer Motion auseinander, die verlangte, dass eine höhere Anzahl von Laienpredigten möglich sein sollen. Die Thurgauer Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au schlug im Gespräch mit ref.ch vor, dass man Laienpredigende stärker einbinden und ordinierten Diakoninnen und Diakonen die Möglichkeit geben könnte, beispielsweise ein Abendmahl zu feiern oder eine Taufe durchzuführen. Im Thurgau dürfen Jugendarbeiterinnen und Katecheten neu Konfirmationsunterricht geben. Die Diskussionen in diesem Bereich werden sicherlich weitergeführt.