Starke Zunahme der Kirchenaustritte
Verglichen mit dem Vorjahr haben die evangelisch-reformierten Kirchen in der Schweiz im vergangenen Jahr rund 30 Prozent mehr Mitglieder verloren. Das zeigt eine Studie des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI). Unter dem Strich sind rund 39'000 Menschen aus einer evangelisch-reformierten Kirche ausgetreten.
Diese Entwicklung sei Teil einer langfristigen Erosion der Kirchenmitgliedschaft und auf strukturelle Faktoren sowie individuelle Entscheidungen zurückzuführen, schreibt der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) in einer Mitteilung dazu. Der Rat erklärt sich die hohen Austrittszahlen damit, dass viele Mitglieder nur noch lose mit der Kirche verbunden seien, was diese Abwanderung begünstige.
Der EKS-Rat verweist in diesem Kontext auf die Bedeutung der Studie zu sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche. Historikerinnen hatten aufgezeigt, dass seit den 1950er-Jahren über 1000 Menschen im Umfeld der katholischen Kirche missbraucht worden waren, die Dunkelziffer liegt mutmasslich noch um einiges höher.
Die Studie hatte mediales Echo ausgelöst, und sie hatte bei der katholischen Kirche wie eben der evangelisch-reformierten Kirche zu massenhaften Austritten geführt. «Die mediale Präsenz hat manche Reformierte an ihre Kirchenmitgliedschaft erinnert und sie den innerlich vollzogenen Austritt umsetzen lassen», heisst es in der EKS-Mitteilung. (dst)