Theologiestudium
Bachelor-Absolventen sollen neu pfarramtliche Aufgaben übernehmen
(Bild aus dem Archiv: Gaëtan Bally
Wer Theologie studiert, soll das ab 2027 flexibler und praxisnaher machen können. Das schreibt A+W, die Aus- und Weiterbildungsstelle für reformierte Pfarrerinnen und Pfarrer, in einer Mitteilung. Damit reagiert man auf das sinkende Interesse am Theologiestudium und den Pfarrmangel.
Künftig wird es möglich sein, dass Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen für maximal fünf Jahre in Kirchgemeinden als theologische Mitarbeitende angestellt werden können. In dieser Zeit übernehmen sie in bestehenden Teams pfarramtliche Aufgaben. «Sie erhalten dafür passende Einführungsmodule sowie Begleitung durch erfahrene Pfarrpersonen und Supervision», heisst es in der Mitteilung. Parallel dazu könne man das Masterstudium absolvieren. Ein Lernvikariat nach dem Masterstudium bleibe Teil der Ausbildung und notwendig für die Ordination.
Je nach nach Praxiserfahrung soll das Lernvikariat aber anders aussehen. «Das ist klar, aber wie es sich genau unterscheiden wird, noch nicht», sagt Monika Wilhelm, die bis Ende 2025 Projektleiterin der Ausbildungsreform war. Da das neue Lernvikariat frühestens in fünf Jahren umgesetzt werde, habe man noch etwas Zeit, um solche Details zu klären.
Grundlegende Erneuerung
Die Reform erlaubt nicht nur einen früheren Einstieg in die Praxis, sondern ist Teil einer grundlegenden Erneuerung. Die Fakultäten in Basel, Bern und Zürich gestalten ihre Bachelor-Studiengänge neu. Ein Pflichtteil, der überall gleich stark gewichtet wird, soll die klassischen theologischen Fächer sowie die Grundlagen in Griechisch und Hebräisch vermitteln. Auch das vernetzte theologische Reflektieren und Arbeiten im Bachelor soll gestärkt werden.
Dazu kommen Wahlpflichtmodule, die sich je nach Fakultät unterscheiden, und individuell ausgewählt werden können. «Die Idee ist, dass für diejenigen, die als theologische Mitarbeitende arbeiten wollen, dort ein praktisch-theologischer Schwerpunkt zu finden ist», sagt Wilhelm.
Veränderungen gibt es beim Latein. In Zürich seien die Module erst im Masterstudium angesiedelt, der Umfang bleibe aber gleich, heisst es auf Anfrage von ref.ch. In Bern ist die Revision des Curriculums laut Medienstelle noch nicht abgeschlossen. Eine Verschiebung der Lateinmodule in den Master werde derzeit diskutiert. An der Basler Fakultät ist die Umstellung ebenfalls noch in Arbeit, sagt der Studiendekan. Der Latein-Unterricht im Bachelor bleibe aber beibehalten, wenn auch in reduzierter Form.
Harmonisierung in der Deutschschweiz
Dank der Reform findet auch eine Harmonisierung in der Deutschschweizer Ausbildung statt. Bisher galt beispielsweise das Praktikumssemester nur in den Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Bejuso) vollständig als Teil des Studiums. Im Konkordat (restliche reformierte Landeskirchen der Deutschschweiz) musste dieses zwischen Bachelor und Master absolviert werden. «Neu wird es bei beiden im Bachelor integriert», sagt Wilhelm. Auch die Dauer des Lernvikariats, das in Bejuso aktuell länger dauere, werde angeglichen.
Die Attraktivität der Ausbildung werde durch die Reform deutlich erhöht, «ohne die Anforderungen der Kirchen zu vernachlässigen», heisst es in der Mitteilung von A+W. Es sei ein «typisch schweizerischer Kompromiss», sagt Wilhelm. «Aber einer, der uns einen deutlichen Schritt vorwärts bringt.»
Der Pfarrmangel, der Ende 2024 von der Werbekommission Theologiestudium und Pfarrberuf (Wekot) auf 109 Stellen beziffert wurde, wird sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen. Zwischen 2025 bis 2029 wird mit fast 500 Pensionierungen gerechnet (ref.ch berichtete).
Wilhelm betont, dass der bisherige Ausbildungsweg erhalten bleibe. «Man wird weiterhin durchstudieren können.» Man gehe aber davon aus, dass relativ viele Studierende den Weg mit mehr Praxiserfahrung wählen würden. Ab Herbst 2027 sollen die ersten Studierenden nach neuem Studienplan starten, im Sommer 2028 die ersten theologischen Mitarbeitenden ihre Tätigkeit aufnehmen.