Konfliktherd Kaukasus

Zusammen den Blick auf Nagorno Karabakh richten

In Bern haben sich Vertreter des Weltkirchenrats und armenische Würdenträger zu einer Konferenz getroffen. Ihr Ziel: Der Konflikt um Bergkarabach soll nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden.
Der Katholikos aller Armenier, Karekin II., spricht an der Armenienkonferenz in Bern und richtet seine Worte auch an EKS-Präsidentin Rita Famos. (Bild: Ivars Kupcis/ WCC)

Als einer der höchsten Gäste sprach Seine Heiligkeit Karekin II., der Katholikos aller Armenier, an der internationalen Konferenz zum Schutz des Armenischen Erbes vorige Woche in Bern. Die Veranstaltung dauerte zwei Tage und endete mit einer gemeinsamen Erklärung.

Darin wurde festgehalten, dass durch den Angriff der aserbaidschanischen Armee 2023 auf die von ethnischen Armenierinnen und Armeniern bewohnte Region Nagorno Karabakh (Bergkarabach) 120'000 Menschen vertrieben wurden (ref.ch berichtete). In der Region befinden sich christliche Stätten, die zu den ältesten der Welt gehören. Viele davon seien beschädigt oder zerstört.

Die Konferenzteilnehmer hielten fest, dass es sich beim Angriff auf die Bergregion um eine Verletzung des humanitären Völkerrechts und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit handle. Sie sehen darin Hinweise auf völkermörderische Absichten. Sie bekräftigten, dass die Vertriebenen das Recht auf eine Rückkehr hätten. «Als Kirchen und Religionsgemeinschaften glauben wir, dass es beim Schutz des Erbes nicht nur um Denkmäler geht – es geht um den lebendigen Ausdruck von Glauben, Identität und Erinnerung» heisst es in der Abschlusserklärung.

Pilgerfahrt nach Bergkarabach

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) fordert von der Unesco eine unabhängige Überwachungsmission zur Beurteilung des Erhaltungszustands der armenischen Kultur- und Religionsstätten in der besetzten Bergregion. Regierungen sollen Schritte einleiten, um «die weitere Auslöschung des armenischen Kulturerbes zu verhindern» und die Rückkehr der Vertriebenen zu ermöglichen.

Ausserdem kündigte der ÖRK an, dass er einen Pilgerbesuch an den christlichen Stätten in Nagorno Karabakh plane.

Leid und Aufbruchstimmung

«Die Stimmung an der Konferenz war einerseits bedrückend wegen des Leids, das geschildert wurde», sagt Stephan Jütte, Sprecher der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), «und andererseits spürte man eine Aufbruchstimmung.» Im Publikum habe es zahlreiche Historiker und Politikerinnen gehabt, erzählt Jütte auf Anfrage.

«Armenien ist schon lange ein Thema für den ÖRK und die Schweiz», sagt er und verweist darauf, dass EKS-Präsidentin Rita Famos zusammen mit einer Delegation des ÖRK anlässlich eines offiziellen Besuchs wenige Kilometer von Bergkarabach entfernt gestoppt wurde, weil der Angriff der aserbaidschanischen Armee begann (ref.ch berichtete).

An der Konferenz sei betont worden, wie wichtig eine transparente Aufarbeitung der Angriffe, ein Monitoring der aktuellen Ereignisse und eine Bestandesaufnahme des zerstörten Welterbes in diesem Gebiet sei, fasst Jütte zusammen. «Man hatte 2023 versprochen, nicht zu vergessen, was gerade geschehen war. Die Konferenz ist die erste sichtbare Tat», sagt er.

Cyberangriffe halten weiter an

Dass die Konferenz und deren Inhalte über die Grenzen der Schweiz hinaus wahrgenommen wurde, zeigen die massiven Cyberangriffe auf die Website der EKS (ref.ch berichtete). Einen Tag nach Ende der Konferenz sagte Jütte dazu: «Die Angriffe nehmen noch nicht ab.» Seiner Vermutung nach hingen diese damit zusammen, dass ÖRK und EKS weiterhin Texte im Zusammenhang mit der Armenienkonferenz posteten. Diese Woche werden die Verantwortlichen bei der EKS die Cyberangriffe analysieren.

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