Konfliktherd Kaukasus
EKS von Cyberattacken betroffen
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) befindet sich in einer Ausnahmesituation. Seit sie Ende April auf ihrer Website auf die «Armenian Heritage Conference» hingewiesen hat, ist sie mit einer Reihe von Cyberangriffen konfrontiert. «Wir haben eine massive Welle von Bot-Angriffen mit bis zu 50'000 automatisierten Zugriffsversuchen pro Tag registriert», sagt Stephan Jütte, Kommunikationsverantwortlicher der EKS. Das sei in dieser Form und Intensität neu für die EKS.
Die Angriffe würden darauf abzielen, die Infrastruktur zu überlasten. «Es wurde kein Zugriff auf sensible Daten festgestellt, aber die Leistung unserer Website kann dadurch beeinträchtigt werden», sagt Jütte.
Am 27. und 28. Mai findet in Bern eine Konferenz zum Schutz des kulturellen und religiösen Erbes in Bergkarabach sowie über die aktuelle Situation der hunderttausenden Vertriebenen statt. Zur Erinnerung: Die Offensive Aserbaidschans im September 2023 in diesem Gebiet führte im Januar 2024 zur Auflösung der selbsternannten Republik Berg-Karabach (ref.ch berichtete). Die mehrheitlich armenische Bevölkerung floh aus Angst vor aserbaidschanischen Vergeltungsmassnahmen ins Exil.
Die EKS vermutet einen Zusammenhang zwischen der Konferenz und den Cyberangriffen. Laut einem EKS-Mitarbeiter richtet sich der Verdacht gegen Aserbaidschan, Beweise dafür gebe es aber keine. «Andere kirchliche Organisationen haben in solchen Situationen Ähnliches erlebt», sagt er (ref.ch berichtete).
Während die EKS von den IT-Dienstleistern über die Attacken informiert wurde, hat bereits der Weltkirchenrat (ÖRK) im Vorfeld davor gewarnt. Der ÖRK hat die Konferenz mitorganisiert. «Seit 2016 werden wir ständig von verschiedenen Gruppen über digitale Kanäle angegriffen», sagt Marianne Ejdersten, Kommunikationsleiterin des ÖRK. Das sei besonders der Fall, wenn es um Israel und Palästina, die Ukraine und Russland oder Armenien und Aserbaidschan gehe.
Die EKS hat mit technischen Anpassungen auf die Angriffe reagiert. «Bisher gab es noch keine grösseren Unterbrechungen», sagt Stephan Jütte. Auch die Konferenz finde wie geplant und in einem sicheren Rahmen statt.
Übersetzte und gekürzte Version eines Artikels von protestinfo.