Aserbaidschan greift Berg-Karabach an
In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku sind am Dienstag die Streitkräfte zusammengezogen worden. Ihr Ziel: militärisch gegen die umstrittene Region Berg-Karabach vorzugehen. Erste Medien vermelden, dass die Hauptstadt Berg-Karabachs Stepanakert und einige Dörfer unter starkem Beschuss liegen würden.
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 30 Jahren streiten sich Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach. In der Region leben vorwiegend ethnische Armenier. International ist das Gebiet jedoch als Teil Aserbaidschans akzeptiert.
In den vergangenen Monaten hat Aserbaidschan die einzige Zufahrtsstrasse nach Berg-Karabach blockiert. Laut der Gesellschaft Schweiz-Armenien mangelt es in der Region an allem und es seien bereits Menschen verhungert.
Rita Famos vor Ort
Um auf die Notsituation in Berg-Karabach aufmerksam zu machen, war am 18. September eine Delegation des Weltkirchenrats (ÖRK) nach Armenien gereist. «Unser Besuch soll die Solidarität der weltweiten Gemeinschaft zum Ausdruck bringen», heisst es in einer Medienmitteilung des ÖRK. Geplant waren unter anderem ein Friedensgebet sowie ein Treffen mit Karekin II., dem amtierenden Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier.
Teil dieser Delegation, die nun von Aserbaidschans Angriff überrascht wurde, ist auch Rita Famos, die Ratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Das Ziel ihres Besuches sei, die Aufmerksamkeit der Welt auf diese humanitäre Krise zu lenken, so Famos in einem Video-Statement für ref.ch.
Die Gruppe war auf dem Weg zum Checkpoint, mit dem Aserbaidschan den Zugang nach Berg-Karabach blockiert. Laut einem engen Mitarbeiter Famos' ist die Delegation aktuell in Sicherheit. Die Rückreise werde organisiert. Aus Sicherheitsgründen macht er keine Angaben zu Aufenthaltsort und Zeitpunkt der Heimkehr.
Konflikt flammt immer wieder auf
Zuvor hatte der ÖRK in mehreren Statements auf die Situation in Berg-Karabach hingewiesen und Aserbaidschan dazu aufgerufen, die Blockade aufzuheben. «Ein dauerhafter Frieden lässt sich nur erreichen, wenn die Bewohner als Menschen angesehen werden, statt als Geiseln, um den Krieg zu gewinnen», liess sich ÖRK-Generalsekretär Jerry Pillay Ende August in einer Mitteilung zitieren.
Zuletzt hatte es im Sommer 2020 einen Krieg in der Region gegeben. Im November desselben Jahres war ein Waffenstillstand beschlossen worden. Dennoch flammte der Konflikt seither immer wieder auf; er gilt im Kern bis heute als ungelöst.