Finanzielle Notlage

Seenotrettern geht das Geld aus

Crews privater Organisationen retten auf dem Mittelmeer im Monat hunderte Menschen. Nun kämpfen manche ums finanzielle Überleben.

Noch können die Seenotretter Menschen aus dem Mittelmeer in Sicherheit bringen. Das Bild zeigt die «Ocean Viking», die am 3. November 2022 234 Menschen an Bord nimmt. (Bild: Vincenzo Circosta / Keystone)

Sie heissen «Humanity 1», «Ocean Viking» oder «Sea-Watch 3». Schiffe, deren Crews im Auftrag von privaten Rettungsorganisationen auf dem Mittelmeer in Seenot geratene Flüchtlinge aus dem Wasser holen und sie in sichere Häfen bringen.

Doch nun ist die Arbeit dieser Organisationen gefährdet. «Unsere finanzielle Lage ist besorgniserregend», sagt Eva Ostendarp von SOS Méditerranée Schweiz auf Anfrage von ref.ch. Seit Mitte 2019 ist ihr Schiff «Ocean Viking» auf dem Mittelmeer unterwegs, die Einsatzteams retteten hunderte von Menschen. 

Ernste Lage

«Wir haben das vergangene Jahr damit beendet, dass wir auf die finanziellen Reserven zurückgreifen mussten», sagt Ostendarp. Das Geld reiche nur mehr für Rettungseinsätze innert der nächsten sechs Monate.

Das Problem: Im laufenden Jahr sind die Seenotretter mit hohen Mehrkosten konfrontiert. Konkret ist zum Beispiel der Preis für Treibstoff um fast 60 Prozent gestiegen. Die Spendeneinnahmen von rund 2,5 Millionen Franken im Jahr 2021 könnten mit diesem Kostenanstieg nicht mithalten. «Wir sind weiter dringend auf Spenden angewiesen, um weiterhin Menschen in Seenot zu Hilfe kommen zu können», sagt die Mediensprecherin. Laut Ostendarp ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos. «Wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit der Unterstützung der Zivilgesellschaft auch diese Herausforderungen meistern.»

Spenden aus der Schweiz

Auch beim Seenotrettungsbündnis «United4Rescue» spürt man den finanziellen Druck. «United4Rescue» betreibt selbst keine Schiffe, unterstützt aber Seenotrettungs-Organisationen finanziell. «Aktuell erhalten wir von den Rettungsorganisationen deutlich mehr Anfragen und auch die erbetenen Fördersummen sind höher», sagt Presssprecherin Susanne Jacoby. «Daran merken wir, dass das Geld überall knapp ist.»

«United4Rescue» habe im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2021 einen deutlichen Spendenrückgang verzeichnet, dieser betrug fast ein Drittel: Von rund 2,2 Millionen Euro auf rund 1,5 Millionen Euro. «Geringere Spenden bedeuten, dass wir entsprechend weniger Partnerorganisationen unterstützen und weniger lebensrettende Einsätze ermöglichen können», sagt Jacoby. Noch seien die Mittel nicht ausgeschöpft, so dass sich das geringere Spendenaufkommen der letzten Monate bislang nicht auf die Förderungen auswirke. 

Zudem habe der Deutsche Bundestag Ende 2022 entschieden, «United4Rescue» ab 2023 für vier Jahre jährlich mit zwei Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zu fördern. Dennoch sei man weiterhin auf Spenden angewiesen.