Kirchliches Bündnis kauft Schiff zur Seenotrettung

Die Pläne des kirchlichen Bündnisses «United4Rescue» für eine eigene Rettungsmission im Mittelmeer werden konkret. Der Verein hat den Zuschlag für das Forschungsschiff «Poseidon» bekommen. Ostern könnte es in See stechen.


Das von der evangelischen Kirche mitbegründete Bündnis «United4Rescue» hat ein Schiff für die geplanten Rettungen im Mittelmeer erworben. Wie Vereinssprecher Joachim Lenz am 31. Januar sagte, hat das Bündnis den Zuschlag für das Kieler Forschungsschiff «Poseidon» erhalten. «United4Rescue» hatte seit Dezember Spenden für den Erwerb eines Schiffes gesammelt, das sich für Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer eignet. Finanziell unterstützt wurde das Bündnis auch von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und dem Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) (ref.ch berichtete).

Lenz zufolge hat das Schiff 1,5 Millionen Euro gekostet. 1,1 Millionen Euro hat demzufolge das Bündnis beigesteuert. Den Rest der Summe übernehme die Organisation Sea Watch, die im Auftrag das Bündnisses das Schiff betreiben soll.

Umbauten notwendig

Bevor das frühere Forschungsschiff für seinen künftigen Zweck in See stechen kann, sind noch Umbauten notwendig. So muss unter anderem eine Krankenstation eingerichtet werden. Lenz zufolge wollen sich die Verantwortlichen zunächst einen Überblick über die notwendigen Arbeiten verschaffen. Er hoffe, dass das Schiff etwa von Ostern an für Rettungseinsätze zur Verfügung steht. Das Bieterverfahren für das Schiff endete am 31. Januar. Die «Poseidon» war bislang für das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung im Einsatz.

«Seenotrettung ist eigentlich eine staatliche Pflichtaufgabe, die im Mittelmeer schon seit Jahren nicht wirksam wahrgenommen wird», sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski. Deshalb sei die Initiative anderer notwendig, ergänzte Rekowski, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Der Europa-Abgeordnete Sven Giegold (Grüne), der zu den Mitinitiatoren des Bündnisses gehört, erklärte: «Dieses Schiff wird Leben retten und kann helfen, die europäische Politik zu ändern.»

Initiative des Kirchentages

Die Staaten der EU hatten ihre Mittelmeer-Mission «Sophia», in deren Rahmen auch immer wieder Seenotrettungen stattfanden, beendet. Seitdem retten vor allem Organisationen wie Sea Watch und Sea-Eye schiffbrüchige Migranten, die auf dem Weg nach Europa sind.

Die Idee, dass sich die evangelische Kirche an der Rettung von Flüchtlingen beteiligt, geht auf eine Initiative des evangelischen Kirchentages vom Juni 2019 in Dortmund zurück. Anfang Dezember wurde dann das Bündnis «United4Rescue» gegründet. Es hat derzeit rund 150 Mitglieder. Darunter sind neben der EKD Organisationen wie die AWO, Diakonische Werke und Landeskirchen sowie einzelne Kirchengemeinden und Privatpersonen wie Wim Wenders und die Band Revolverheld.

Mehr als 2500 Menschen und Organisationen haben bereits für das Projekt gespendet. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied des Bündnisses. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hatte allerdings aus Mitteln seines Bistums 50’000 Euro für das Bündnis zur Verfügung gestellt. (epd/bat)