Schweiz soll in weniger Ländern Entwicklungshilfe leisten

Der Bund will seine Entwicklungshilfe auf weniger Länder konzentrieren, um mehr Wirkung zu erzielen. Bei den finanziellen Mitteln bleibt er hinter den Versprechen zurück.


Das Aussen- und das Wirtschaftsdepartement (EDA und WBF) haben eine Strategie zur internationalen Zusammenarbeit ausgearbeitet. Erstmals führen sie dazu eine Vernehmlassung durch. Am 2. Mai wurde diese eröffnet.

Für die Jahre 2021 bis 2024 ist ein Gesamtbetrag von 11,37 Milliarden Franken vorgesehen. Das ist zwar etwas mehr als die 11,11 Milliarden Franken, die für die laufende Periode zur Verfügung stehen. Gemessen am Bruttonationaleinkommen (BNE) wird die Schweiz aber nicht mehr für Entwicklungshilfe ausgeben.

Die Entwicklungshilfeausgaben dürften sich gemäss dem Bericht zur Vernehmlassung auf rund 0,45 Prozent des BNE belaufen. 2011 hatte das Parlament beschlossen, dass die Quote 0,5 Prozent betragen soll – ein Ziel, das schon in der laufenden Periode nicht erreicht wird. Der Entwicklungshilfeausschuss der OECD hat die Schweiz vor kurzem dazu aufgefordert, ihre Versprechen von 2011 zu erfüllen.

Geografische Fokussierung

Geografisch will sich Schweiz auf vier Schwerpunktregionen konzentrieren: 1. Nordafrika und Mittlerer Osten, 2. Subsahara-Afrika, 3. Asien (Zentral-, Süd- und Südostasien) und 4. Osteuropa. Im internationalen Vergleich sei die Schweiz heute in vielen Ländern präsent, was das Risiko der Verzettelung mit sich bringe, heisst es im Bericht.

Schrittweise zurückziehen will sich die Schweiz aus Lateinamerika. Das Wirtschaftsdepartement wird sich allerdings weiterhin in gewissen lateinamerikanischen Schwellenländern engagieren, in welchen die Schweiz aussenwirtschaftspolitische Interessen verfolgt.

Die Zahl der Schwerpunktländer der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) soll von 46 auf 34 reduziert werden. Vom Ausstieg betroffen sind Bolivien, Haiti, Honduras, Kuba, Nicaragua, Swasiland, Lesotho, Malawi, Sambia, die Mongolei, Pakistan und Aserbaidschan.

Mehr Mittel gegen Klimawandel

Als Kriterien für ein Engagement stehen an erster Stelle die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung, an zweiter die Interessen der Schweiz und an dritter der Mehrwert der Schweizer Hilfe im internationalen Vergleich. Die besten Ergebnisse liessen sich im Schnittbereich dieser drei Kriterien erzielen, schreiben die beiden Departemente.

Die thematischen Schwerpunkte sind die Schaffung von Arbeitsplätzen, der Kampf gegen den Klimawandel und die Ursachen von irregulärer Migration und Zwangsmigration sowie das Engagement für Frieden und Rechtsstaatlichkeit.

Zum Klimawandel heisst es im Bericht, bis 2050 drohten 143 Millionen Menschen zu Klimamigranten zu werden. Die Mittel in diesem Bereich sollen von 300 Millionen in der heutigen Periode auf 350 Millionen Franken pro Jahr angehoben werden. Gleichzeitig will sich die Schweiz bemühen, vermehrt den Privatsektor für klimaverträgliche Investitionen in Entwicklungsländern zu gewinnen.

Verknüpfung mit Migrationspolitik

Die strategische Verknüpfung zwischen der Entwicklungshilfe und der Migrationspolitik wollen das EDA und das WBF stärken, namentlich durch die Bekämpfung von Fluchtursachen. Für spezifische Projekte im Zusammenhang mit der Migrationspolitik sind 60 Millionen Franken reserviert.

In den vergangenen Jahren war die politische Forderung laut geworden, Entwicklungshilfe vermehrt in den Dienst der Migrationspolitik zu stellen. Eine strikte Konditionalität lehnt der Bund aber weiterhin ab. Die Verknüpfung bedeutet also nicht, dass die Entwicklungshilfe eingestellt wird, wenn ein Land sich beispielsweise weigert, abgewiesene Asylsuchende zurückzunehmen.

Die Entwicklungshilfe eigne sich nicht als Hebel, um Druck auszuüben, heisst es im Bericht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass dies selten die gewünschte Wirkung erzeuge. Drohungen wirkten häufig kontraproduktiv. Zudem bezwecke die Entwicklungshilfe, der Bevölkerung zu helfen.

Alle vier Jahre

Der Bundesrat will dem Parlament die Botschaft Anfang 2020 vorlegen. Das Parlament entscheidet alle vier Jahre über die Mittel für die internationale Zusammenarbeit in Form von mehreren Rahmenkrediten. Die genauen Zahlungskredite werden jährlich im Rahmen des Voranschlags festgelegt.

Von den 11,37 Milliarden Franken für die Jahre 2021 bis 2024 sind rund 6,7 Milliarden für die bilaterale und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit vorgesehen.

2,2 Milliarden sollen in die humanitäre Hilfe fliessen, 1,2 Milliarden in die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit und 1 Milliarde in die Zusammenarbeit mit den Ländern des Ostens. Hinzu kommt ein Rahmenkredit für Frieden und menschliche Sicherheit im Umfang von rund 260 Millionen Franken. (sda/bat)