Zeitzeuge

Gleichberechtigtes Glockengeläut

Die zweite Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit stand im Zeichen des Frauenstimmrechts. Für den Anlass mit knapp zwei Millionen Besucherinnen wurde eigens eine Kirche aufgebaut.

Die Saffa-Kirche stand am Eingang des Geländes und stand für einen ökumenischen Aufbruch. (Bild: Jules Vogt/ Keystone)

Feierlich ziehen Annemarie Hubacher-Constam und Kolleginnen die Glocke einer besonderen Kirche auf. Es ist der 3. Juni 1958, zwei Monate vor Beginn der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) in Zürich. Der Anlass wird zwei Monate dauern und so viele Menschen anziehen, dass ein Ort für Gottesdienste nicht fehlen darf. Reformierte, Katholikinnen und Christkatholikinnen nutzen sie.

Hubacher-Constam ist die Chefarchitektin dieses Grossereignisses, das die Leistungen der Frauen für die Gesellschaft ins Zentrum rückt. «Lebenskreis der Frau in Familie, Beruf und Staat» lautet das Motto. Hubacher-Constam hat 1943 an der ETH ihr Studium abgeschlossen und gehörte zu den Pionierinnen auf ihrem Feld, entwarf Kirchen, Hotels oder die Swissair Lounges am Flughafen Zürich-Kloten.

30 Jahre sind seit der ersten Saffa vergangen, an der unzählige Frauenverbände mitgewirkt und unter anderem das Frauenstimmrecht gefordert haben. Mit der Konstruktion einer Schnecke wurde auf den langsamen Fortschritt bei der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hingewiesen.

Serie: «Zeitzeuge»

In historischen Bildern greift die Redaktion Momente der Zeitgeschichte auf, die in der reformierten Landschaft Relevanz haben. Die Texte in der Rubrik «Zeitzeuge» erscheinen in loser Folge. (red)

Auch 1958 sind über hundert nationale und kantonale Frauenorganisationen an der Organisation beteiligt. Und noch immer ist die Forderung nach dem Frauenstimmrecht unerfüllt – und sollte es für mehr als ein Jahrzehnt bleiben. Trotz des grossen Erfolgs der zweiten Saffa lehnten die stimmberechtigten Männer das Frauenstimmrecht 1959 an der Urne mit einer Zweidrittels-Mehrheit deutlich ab.

In den drei Westschweizer Kantonen Genf, Neuenburg und der Waadt wurden Frauen allerdings auf Gemeinde- und Kantonsebene stimmberechtigt. In der Deutschschweiz führte Basel-Stadt als erster Kanton das Frauenstimmrecht 1966 ein. Erst 1971 führte das Engagement der Frauenverbände zum Erfolg, und das Frauenstimmrecht auf Bundesebene wurde eingeführt.