Zeitzeuge

Wehrhafter Theologe

Der Theologe Karl Barth war ein guter Schütze. Das zeigt eine Episode von einer USA-Reise. Ein historischer Rückblick aus unserer neuen Rubrik.

Karl Barth bei einer Schiessübung mit einem Gewehr aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. (Bild: Keystone)

Auf dem Schlachtfeld bei Richmond im US-Bundestaat Virginia traf im 19. Jahrhundert die Armee der Union auf die Truppen der Südstaaten. Fast genau hundert Jahre später, 1962, lädt an dieser Stelle ein Schweizer Theologe die Muskete und feuert auf ein Taschentuch in dreissig Meter Entfernung.

Karl Barth befindet sich  zu der Zeit auf dem Zenith seines Ruhms. Frisch im Ruhestand, begibt er sich im Frühjahr auf eine ausgedehnte Reise durch die USA. Barth hält Gastvorlesungen, trifft Martin Luther King und Billy Graham und unterhält sich mit Vertrauten von US-Präsident John F. Kennedy. Die Medien reissen sich um den 76jährigen Theologen. Am 20. April 1962 ziert sein Konterfei gar die Titelseite des renommierten «Time Magazine».

Zum Freizeitprogramm des Rundreise gehört auch eine Besichtigung der Schlachtfelder von Richmond. Barth schreibt dazu später, er habe sich bei seinen amerikanischen Gastgebern durch sein Wissen über den Bürgerkrieg Respekt erworben. Auch seine Schiesskünste dürften manchen verblüfft haben: Mit dem antiken Gewehr trifft der Theologe nämlich ins Schwarze. «Wie Wilhelm Tell!» soll sich Barth gefreut haben.

Dieser Beitrag markiert die Premiere in unserer Rubrik «Zeitzeugen».
In historischen Bildern greift die Redaktion Momente der Zeitgeschichte auf, die in der reformierten Landschaft Relevanz haben. Die Texte erscheinen in loser Folge.