Drohungen gegen Lea Blattner
EVP richtet unabhängige Meldestelle ein
Die Evangelische Volkspartei (EVP) Schweiz hat eine unabhängige Meldestelle geschaffen, an die sich Betroffene von Grenzverletzungen und Diskriminierung wenden können. Das schreibt die Partei in einer Medienmitteilung.
Die externe Meldestelle werde von der Andrea Gehrig GmbH betrieben. Die Firma bietet laut Handelsregister Coachings, Supervisionen und Beratungen zu den Themen Zusammenarbeit, Konflikte, Führung und Sexualität an.
Laut der Mitteilung können Betroffene dort Vorfälle vertraulich besprechen und mögliche weitere Schritte abklären. «Damit schafft die EVP Schweiz einen niederschwelligen Zugang zu unabhängiger Unterstützung.» Die neue Einrichtung ersetze eine bisherige Übergangslösung.
Neue Charta als Grundlage
Zudem habe der Parteivorstand eine verbindliche Charta für Prävention und Schutz verabschiedet. Darin sind zehn Grundsätze aufgeführt, darunter eine Nulltoleranz gegenüber Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Herkunft oder Religion. Die Charta gelte für alle Personen, die für die EVP Schweiz oder in ihrem Namen tätig seien und sich in ihren Gremien, Veranstaltungen und Aktivitäten engagierten.
Zusätzlich biete die EVP ihren Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern kostenlose juristische Unterstützung bei Hassnachrichten, Beleidigungen und Drohungen an. «Damit Betroffene sich gegen solche Angriffe wehren können», heisst es auf der Website. Dabei arbeite die EVP mit der Anwaltskanzlei Bracher und Partner zusammen.
Debatte nach Morddrohungen
Hintergrund der nun umgesetzten Massnahmen sind die Anfeindungen gegen die frühere Co-Präsidentin der Jungen EVP, Lea Blattner. Nachdem sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt hatte, erhielt sie Hassnachrichten und Morddrohungen. Bis heute ist unklar, woher Letztere stammten. Ermittlungen der Polizei brachten bisher keinen Erfolg (ref.ch berichtete).
Anfang 2026 kündigte Blattner ihren Rücktritt von ihren Parteiämtern an. Im April verliess sie die EVP und wechselte zu den Grünen (ref.ch berichtete). Der Fall hatte eine Debatte über den Umgang mit homosexuellen Mitgliedern innerhalb der christlichen Partei ausgelöst.
Die EVP betont in ihrer neuen Mitteilung, dass alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, Herkunft oder Religion respektiert werden müssten. Anfeindungen und Ausgrenzung hätten innerhalb der Partei keinen Platz. (gab)