Spendenbilanz Hilfswerke

Doppelerfolg für Mission 21

Erstmals seit Jahren konnte Mission 21 wieder einen Spendenzuwachs verzeichnen. Ein Abkommen in die USA könnte dem Missionswerk zudem viel Geld in die Kassen spülen – sofern die US-Regierung es nicht torpediert.
Frauen in Tansania absolvieren eine Weiterbildung von Mission 21 zu Agrarökologie und Aufforstung. (Bild: Peace Matthew/ Mission 21)

Während das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) und Caritas in letzter Zeit Rekordspenden verzeichneten, ging es für Mission 21 stetig bergab. Name und Programm seien in Zeiten der Säkularisierung ein Nachteil beim Fundraising, sagte das Missionswerk letztes Jahr. Dass immer mehr Organisationen aus dem Kultur- und Bildungsbereich bei den Kirchgemeinden und Landeskirchen anklopften – den wichtigsten Geldgebern von Mission 21 – mache die Situation auch nicht einfacher.

Als Evelyn Borer im Sommer 2024 zur neuen Präsidentin von Mission 21 gewählt wurde, erklärte sie die Beziehungspflege zur Basis daher zur obersten Priorität. Es folgten Besuche bei den Landeskirchen und eine Geberkonferenz, in der auf die «besorgniserregende Situation» des Missionswerks hingewiesen wurde – mit Erfolg. Letztes Jahr hat Mission 21 knapp 11,6 Millionen Franken an Spenden eingenommen, rund 330'000 Franken mehr als im Vorjahr, wie es auf Anfrage mitteilt.

Neue Spender gesucht

Während die Einnahmen aus Privatspenden und Legaten im Vergleich zum Vorjahr erneut zurückgegangen sind, haben die kirchlichen Geldgeber über 740'000 Franken zusätzlich beigesteuert. «Wir sind sehr dankbar, dass sich insbesondere die Kantonalkirchen nach der Geberkonferenz dafür entschieden haben, ihr Missionswerk in einer zweijährigen Übergangsphase stärker zu unterstützen», sagt Gaby Ullrich, Leiterin der Abteilung Marketing und Kommunikation. Auch vom Staat erhielt Mission 21 etwas mehr Geld.

Grösstes Problem für Mission 21 bleibt jedoch, dass Kirchgemeinden und Landeskirchen aufgrund des Mitgliederverlustes in Zukunft selbst sparen müssen. Das Missionswerk befindet sich daher schon seit einer Weile auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. «Seit 2023 bauen wir das internationale Fundraising auf», sagt Ullrich. Mittlerweile seien die Grundlagen dafür erarbeitet, ein Team rekrutiert und zahlreiche Gesuche gestellt worden.

Die ersten Resultate seien vielversprechend «Mit Global Health Catalysts konnten wir eine Absichtserklärung für eine langjährige Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich unterzeichnen», sagt Ullrich. Bei Global Health Catalysts handelt es sich um ein Netzwerk aus Universitäten, Spitälern, Stiftungen, NGOs sowie staatlichen Stellen in den USA.

Unsicherheitsfaktor Donald Trump

Auch Heks und Caritas mit gutem Ergebnis

Das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) und Caritas zeigen sich auf Anfrage ebenfalls erfreut über das Spendenjahr 2024. Das Heks hat mit 33,7 Millionen Franken etwa fünf Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr. Den Rückgang erklärt sich das Heks damit, dass keine neue humanitäre Katastrophe eingetreten ist. Rückläufig waren die Beiträge aus dem kirchlichen Umfeld, sagt Mediensprecher Dieter Wüthrich. Im Gegenzug habe das Heks mehr Geld von Stiftungen und Behörden erhalten.

Die Caritas konnte im Vergleich zu 2023 etwas zulegen und weist 32,7 Millionen Franken an Spenden aus. Während diejenigen von Privatpersonen etwas gesunken seien, hätten Firmen und Stiftungen mehr gespendet, sagt Livia Leykauf, Leiterin Kommunikation.

Während die Caritas vom US-Zahlungsstopp nicht direkt betroffen ist, muss das Heks deswegen Projekte in der Ukraine, der Demokratischen Republik Kongo und in Äthiopien einstellen. 100 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. (pef)

In der Absichtserklärung geht es um einen Förderbeitrag in der Höhe von insgesamt 10 Millionen Dollar für ein Krebspräventionsprogramm für Frauen in Tansania, Nigeria und im Südsudan. Mission 21 will etwa eine App zur Krebsvorsorge mitentwickeln und in Gesundheitszentren implementieren sowie Bildungskurse durchführen, erklärt Ullrich.

Der einzige Haken: Das Projekt und ein Teil der Gelder müssen vom Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten freigegeben werden. Und dort herrscht derzeit Chaos. Seit ihrem Amtsantritt baut die neue Regierung des Landes die staatlichen Behörden radikal ab.

So hat Präsident Donald Trump erneut den Ausstieg aus der Weltgesundheitsorganisation beschlossen, zahlreiche Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums entlassen und die Behörde des Landes für Entwicklungszusammenarbeit, USAID, quasi abgeschafft. Davon betroffen sind unzählige Hilfsprogramme auf der ganzen Welt, etwa zur Bekämpfung von HIV oder Malaria.

«Im Januar gingen unsere Partner davon aus, dass die US-Regierung das entsprechende Programm nicht stoppen, sondern höchstens die ersten Zahlungen verzögern könne», sagt Ullrich. Noch steht die Entscheidung des Gesundheitsministeriums aus. Doch mit seinem Vorgehen hat Trump bisher so manche Einschätzungen und Gewissheiten erschüttert.

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