Einfrieren von US-Geldern

Caritas Schweiz: «USAID-Entscheid ist ein Schock»

Der Stopp von US-Geldern für die Entwicklungshilfe hat auch für das Hilfswerk Caritas Schweiz dramatische Folgen. In vielen Regionen sei humanitäre Hilfe wichtiger als je zuvor.

Der Zahlungsstopp für die Entwicklungsagentur USAID hat für Hilfswerke weltweit drastische Konsequenzen. Dem Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) etwa fehlen dadurch Einnahmen in der Höhe von 7,5 Millionen Franken, mehr als 100 Stellen müssen abgebaut werden (ref.ch berichtete).

Auch für das katholische Hilfswerk Caritas Schweiz sind die Kürzungen ein «Schock», wie Direktor Peter Lack anlässlich einer Medienkonferenz betonte. Konkrete Zahlen liegen demnach zwar noch nicht vor, für Lack ist aber klar: «Die Folgen werden auch für uns schwerwiegend sein.»

An der Konferenz gab Lack einen Einblick in die humanitäre Situation in Syrien und im Libanon, wo Caritas seit 2012 gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen aktiv ist. Er sagte, dass humanitäre Hilfe in diesen Ländern nötiger denn je sei. «Ein grosser Teil der Bevölkerung in Syrien und im Süden Libanons ist auf diese Hilfe dringend angewiesen», sagte Lack.

Besonders dramatisch ist die Situation laut dem Caritas-Direktor in der Stadt Homs im Westen Syriens. «Rund 70 Prozent der Häuser sind zerstört, die meisten Familien haben weder fliessend Wasser noch Elektrizität oder Brennmaterial. In den Häusern ist es jetzt im Winter düster und kalt – eine bedrückende Situation.»

Für viele Menschen komme nach dem Machtwechsel in Syrien zudem eine grosse Verunsicherung hinzu. «Die Leute wissen nicht, wie sich die Situation unter der neuen Regierung entwickeln wird.» Viele Menschen seien vom Krieg traumatisiert. «Fast jeder hat ein Familienmitglied oder einen Bekannten verloren.»

Der Caritas-Direktor appellierte in diesem Zusammenhang an die Schweizer Politik. «Die Schweiz kann beim friedvollen Übergang in Syrien eine aktive Rolle spielen – etwa beim Wiederaufbau oder beim Aufbau einer starken Zivilgesellschaft.»

Lack betonte auch, dass angesichts der desolaten Situation im Land die erzwungene Rückführung von syrischen Geflüchteten keine Option sei. «Syrien ist ein zerstörtes Land. Geflüchtete dorthin zurückzuschicken wäre unrecht und nicht praktikabel», sagte er.

Gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), dem evangelischen Hilfswerk Heks, Fastenaktion und der Schweizerische Bischofskonferenz hat Caritas Schweiz vergangene Woche an Bundesrat Ignazio Cassis appelliert, sich für den Erhalt der humanitären Strukturen einzusetzen (ref.ch berichtete). Die Trump-Administration hat am 20. Januar die Auslandshilfe der Entwicklungsbehörde USAID für 90 Tage ausgesetzt. (no)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema