Über 5000 Menschen besuchen Bodensee-Kirchentag
Tausende Besucherinnen sind am Wochenende an den Bodensee-Kirchentag nach Schaffhausen geströmt. «Wir haben uns über den grossen Andrang sehr gefreut», sagt Geschäftsleiter Martin Breitenfeldt auf Anfrage von ref.ch. Selbst die vielen Gottesdienste seien bis auf den letzten Platz besetzt gewesen. Auch sonst zieht Breitenfeldt ein positives Fazit. «Vor und hinter der Bühne ist es zu spannenden Begegnungen gekommen. Man spürte die Lust, gemeinsam etwas bewegen zu wollen.»
Deshalb ist Breitenfeldt zuversichtlich, dass der Kirchentag auch 2024 stattfinden kann. Noch sei man auf der Suche nach einem Austragungsort. Wie die «Schaffhauser Nachrichten» berichten, scheine zumindest die Thurgauer Kirchenratspräsidentin Christiana Aus der Au nicht abgeneigt zu sein, den Kirchentag in den Thurgau zu holen. «Wir werden die nächsten Veranstalter bei der Geburt des Anlasses unterstützen», sagt Breitenfeldt. Doch er wünsche sich eine Verjüngung des Organisations-Teams. So solle der Kirchentag auch für jüngere Menschen attraktiv werden.
Diskussion um Zukunft der Kirche
Am diesjährigen Kirchentag nahmen verschiedene Persönlichkeiten teil. Darunter Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Bedford-Strohm betonte laut Mitteilung, dass «wir es nicht mehr mit einem Gott zu tun haben, der die Menschen bedroht.» Die Ratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Rita Famos, stellte ergänzend die Verantwortung heraus: Gottes Bund mit den Menschen beinhalte die Pflicht zur Verantwortlichkeit und dürfe nicht gebrochen werden.
Im anschliessenden Podium fragte Moderatorin Christine Stark: «Ist die Kirche noch zu retten?». Der römisch-katholische Weihbischof Karrer aus Rottenburg, Stuttgart, bekannte, seiner Kirche stehe momentan das Wasser «bis zur Nase»; eine Stärkung der Laien und der Regionen und weniger hierarchisch-zentrale Organisation seien dringend geboten. Einig sei sich die Gesprächsrunde darin gewesen, dass es gar nicht darum ginge, die Kirche zu retten, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Kirche sei bereits «gerettet» und habe die Aufgabe, Wegbereiterin des Reiches Gottes zu sein. Nach Aufweichung traditioneller Mitgliedschaften würden in Zukunft solche Menschen den Kirchen angehören, die sich dazu bewusst entschieden.
Einstehen für gerechte Gesellschaft
Seinen Abschluss fand der Kirchentag mit einem Open-Air-Konzert und einer Abschlusskundgebung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Kirche. Nationalratspräsidentin Irène Kälin mahnte ein gemeinsames Einstehen für eine gerechte Gesellschaft und intakte Umwelt an; ob Menschen beteten oder nicht, diese Erde sei ihre gemeinsame Heimat, sagte Kälin. Religionsgemeinschaften, die einen Schöpfergott bekennten, hätten seit jeher eine besondere Verpflichtung zur Bewahrung des Globus. Diese dürfe sich nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit konkreten Taten beweisen. (bat)