Dem Bodensee-Kirchentag droht das Aus
«Nach uns die Sintflut? Marktplatz der Hoffnung» lautet das Motto, das die Veranstalter für den Bodensee-Kirchentag am 17. und 18. September in Schaffhausen gesetzt haben. Der Slogan sei bewusst gewählt worden, sagt Geschäftsleiter Martin Breitenfeldt auf Anfrage von ref.ch. «Die Zeiten haben sich verändert. Wir müssen dringend deutlich machen, dass nach der Pandemie, dem Ukraine-Krieg und wegen der Klima- und Energiekrise nicht mehr stilles Hoffen angesagt ist, sondern es ein Zusammenkommen und einen Austausch braucht», betont er.
Die Kirchen seien nach wie vor im Krisenmodus und damit beschäftigt, nach der Corona-Pandemie nun die Energie-Krise zu bewältigen. «Wir sind stark gefordert, einige von uns sind überfordert. Wir laufen am Limit», sagt der reformierte Pfarrer. Das Tagesgeschäft sei so bemühend und anstrengend, dass darüber hinaus kaum mehr Ressourcen blieben, meint er. Darin sieht er auch den Hauptgrund dafür, dass noch unklar ist, ob die 18. Ausgabe des Bodensee-Kirchentages die letzte sein wird.
«In Schaffhausen sind wir stark von den Landeskirchen, dem Kanton, der Stadt, Firmen und Stiftungen unterstützt worden. Wir möchten den Anlass weitergeben, aber es lässt sich niemand dafür finden. Es mangelt an Geld und Zeit.» Im Verein, der den Bodensee-Kirchentag organisiert, sind neben den Schaffhausern auch andere Ostschweizer Städte vertreten. Die Tagung ist auf Schweizer Seite bisher schon in Kreuzlingen, Romanshorn, Rorschach und St. Gallen durchgeführt worden (siehe Kasten).
Zum 18. Bodensee-Kirchentag wird neben dem deutschen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Benediktinerpater Anselm Grün auch die höchste Schweizerin erwartet, die grüne Nationalratspräsidentin Irène Kälin. Sie ist Islamwissenschaftlerin und hat ihren Master in Religionskulturen abgeschlossen. Im Dialog mit Bedford-Strohm soll Kälin eine Abschlussrede halten.
Der Bodensee-Kirchentag ist der grösste und bekannteste Kirchentag der Deutschschweiz. Die ökumenische Ausrichtung ist grenzüberschreitend, als Austragungsort wird jeweils eine Stadt in der Bodenseeregion ausgewählt. Der erste Bodensee-Kirchentag war 1984 in Lindau, es gab zudem Austragungen in Konstanz, Friedrichshafen, Überlingen und Bregenz. (jow)
Auch andernorts fehlten Geld und Zeit. «Wir werden weiterhin versuchen, für 2024 einen Standort zur Durchführung zu finden. Sollten wir keinen finden oder würde der Anlass am Wochenende ganz schlecht besucht werden, kann dieses Jahr das Schlusslicht der langen Serie bilden. Noch geben wir aber nicht auf.» In der Vergangenheit waren jeweils bis zu sechstausend Personen am Bodenseekirchentag zusammengekommen, letztmals war dieser 2018 durchgeführt worden, 2020 musste er wegen der Pandemie ausfallen.
Dabei wäre eine Fortführung des ökumenischen Kirchentages wichtig, weil dort unterschiedliche Stimmen zusammenkämen, meint Breitenfeldt. «In Zeiten, in denen sich Menschen in Blasen bewegen und in ihrem bisherigen Denken bestätigt fühlen, braucht es Räume für Begegnungen mit Personen, die anderer Ansicht sind.» Zudem sei die Kirche manchmal weit weg von der Zivilbevölkerung und Anlässe wie der Kirchentag könnten zu einer Annäherung beitragen.
Ein persönliches Highlight im Programm sei für ihn der Auftritt des Benediktinerpaters Anselm Grün, sagt Breitenfeldt. «Ich habe einige seiner Bücher gelesen und bin gespannt, was er zu sagen hat.» Zudem freue er sich auf drei junge katholische Theologinnen aus Freiburg im Breisgau. Sie stehen hinter der Initiative «Mein Gott diskriminiert nicht. Meine Kirche schon» und setzen sich ein für Gleichstellung und gegen Diskriminierung.