Pride

Luzerner Kirchen machen sich für queere Menschen stark

Nach 17 Jahren wird in der Zentralschweiz das erste Mal wieder eine Pride durchgeführt. Mit dabei sind auch die reformierte, die katholische und die christkatholische Kirche, die einen Gottesdienst gestalten.

Bereits 2005 fand in Luzern eine Pride statt. Mehrere Tausend Personen nahmen daran teil. (Bild: Keystone/Sigi Tischler).

«Mini Schwiiz. Mini Zentralschwiiz. Mini Pride.» So lautet das Motto der Pride, die am Samstag in Luzern stattfindet. Auch die Reformierte Kirche des Kantons Luzern macht sich für die Anliegen von LGBTQI*-Menschen mit einem ökumenischen Gottesdienst stark. «Wir führen den Dialog mit queeren Menschen und nicht über sie. Diese direkte Mitwirkung ist entscheidend für die Inklusion», sagt Lilian Bachmann, Präsidentin der Reformierten Kirche des Kantons Luzern.

Es brauche den persönlichen Austausch, um das Verständnis füreinander zu fördern. «Die Pride und der ökumenische Pridegottesdienst bieten eine hervorragende Gelegenheit», sagt Bachmann. Gerade die Kirche sei ein Ort, wo Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen den Dialog zu Sinn- und Lebensfragen führen können.

Piusbruderschaft betete gegen Pride

Die letzte Pride hat in Luzern am 19. Juni 2005 stattgefunden. Dabei ist es auch zu einer Gegendemonstration der erzkonservativen Piusbruderschaft gekommen. Wie der «Tagesanzeiger» in einem Bericht vom 20. Juni 2005 schreibt, beteten Priester in schwarzer Soutane und junge Männer in Zivil während der Pride-Eröffnung auf den Knien ihr frommes Repertoire: Ave Maria, Miserere nobis, Rosenkranz und Magnificat. Abgesehen von ein paar Spritzern aus Wasserpistolen sei es damals zu keinen Scharmützeln gekommen. (bat)

Bei der katholischen Kirche Luzern wesentlich an der Mitgestaltung des Anlasses beteiligt ist Seelsorger Meinrad Furrer. Der neue Leiter der Luzerner Peterskapelle hat sich durch seine Segensfeiern von homosexuellen und bisexuellen Paaren auf dem Zürcher Platzspitz im Jahr 2021 landesweit einen Namen gemacht. «Es ist mir ein befreiungstheologisches Anliegen, mich für queere Menschen einzusetzen», sagt Furrer. Unter anderem gestaltet er einen ökumenischen Pride-Gottesdienst mit.

Kritik wird offen geäussert

Ein Highlight für ihn sei auch die Ausstellung über die Kriminalisierung von homosexuellen Menschen und die katholische Kirche, die heute in Westeuropa kaum mehr vorstellbar sei. «Zu sehen sind dort eindrückliche und bewegende Porträts», sagt Furrer. Und noch heute sei es für manche konservativ-katholische Kreise nicht selbstverständlich, dass die Kirche queere Menschen mit offenen Armen empfängt. «Mir ist aufgefallen, dass man in der Zentralschweiz ziemlich offen ins Gesicht sagt, dass man Homosexualität ablehnt», sagt Furrer. Deshalb sei es wichtig, dass sich gerade die katholische Kirche an der Pride engagiert. «Die Verurteilung homosexueller Lebensweisen durch die Kirche während Jahrtausenden hat Spuren hinterlassen.»

In seiner Zeit als Seelsorger in Zürich habe er höchstens kritische Mails erhalten. Umso wichtiger sei es, dass mit der Pride queere Menschen auch hier wahrgenommen und respektiert würden. Zum Glück tue dies schon jetzt die Mehrheit der Angestellten und der Mitglieder der katholischen Kirche Luzern.

Weitere LGBTI-Pfarrstellen wünschenswert

Dass sich die Kirchen so stark engagieren, freut Christian Sprenger, Präsident des Vereins Pride Zentralschweiz. «Gerade in der gläubigen Zentralschweiz ist das ein sehr schönes Zeichen», sagt Sprenger. Denn noch immer gäbe es das Vorurteil, dass Kirchen Homosexualität grundsätzlich ablehnen würden. «Ich begegne in der katholischen und der reformierten Kirche hier in Luzern stattdessen einer grossen Offenheit.»

Trotzdem gäbe es auch in der Zentralschweiz bei den Kirchen noch Potenzial, ihr Engagement für LGBTIQ*-Menschen auszubauen. «Gerade in ländlichen Gebieten wäre etwa eine LGBTI-Pfarrstelle, wie es sie in Zürich gibt, wünschenswert», sagt Sprenger. Denn auch in der LGBTIQ*-Community gäbe es viele spirituelle Menschen. Noch besser wäre es laut Sprenger aber, wenn auch das «normale» Pastorat die Fragen und Bedürfnisse von Männern, Frauen, Trans*, Non-Binär kennen und auf diese eingehen könnte.

Am Sonntag, den 4. September findet von 14 bis 15 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst zur Pride in der Luzerner Peterskapelle statt. Mit dabei sind: Vroni Stähli, ref. Pfarrerin; Adrian Suter, christkath. Pfarrer; Meinrad Furrer, kath. Seelsorger; Sebastian Rosenberg, Alphorn; Beat Heimgartner, Piano.