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CER-Präsidentin Bohnenblust-Pidoux unter Druck wegen «protestinfo»-Krise

An der Generalversammlung der Reformierten Kirchen der Romandie (CER) hat die Ratspräsidentin Bohnenblust-Pidoux aus gesundheitlichen Gründen nicht teilgenommen. Wegen der Entlassung zweier Medienschaffender steht sie unter Druck. Nun wurde eine Untersuchung beschlossen. Ihren Rücktritt schliesst die Präsidentin aus.
Eine Untersuchungskommission soll bis kommenden Juni klären, wie es zu den Entlassungen bei der Presseagentur «protestinfo» gekommen ist. (Bild: gab)

An der Generalversammlung der Reformierten Kirchen der Romandie (CER) vom Wochenende ist eine Diskussion über die Unstimmigkeiten bei der von der Kirche finanzierten Nachrichtenagentur «protestinfo» traktandiert gewesen (ref.ch berichtete). Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei CER-Präsidentin Laurence Bohnenblust-Pidoux. Krankheitshalber ist sie der Versammlung fern geblieben.

Konkret wird ihr vorgeworfen, die Entlassung der zwei Medienschaffenden erwirkt zu haben, um deren Nachforschungen zu verhindern. Die Journalistin und der Journalist sagen, sie hätten im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen bekannten Theologieprofessor aus der Waadt recherchiert. Die Taten sollen in den 1990er-Jahren begangen worden sein (ref.ch berichtete).

Mittlerweile sind zwei Offene Briefe mit jeweils über hundert Unterschriften von Unterstützenden erschienen. Jener, der anlässlich der GV publik geworden ist, fordert unter anderem die Wiedereinstellung der Medienschaffenden. Ausserdem wird im Schreiben darauf hingewiesen, wie die Causa das Image der Reformierten Kirche in der Westschweiz belaste. Auch hätten die Entlassungen mutmasslich Folgen für Journalisten, die künftig für «protestinfo» arbeiten würden: «Man wird annehmen, dass sie der Kirche genehm sind und nicht unabhängig berichten», heisst es.

Zudem hat die Plattform für die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten des Europarats Alarm ausgelöst wegen «mutmasslicher Verletzung der Medienfreiheit».

Schriftliche Stellungnahme verlesen

Die Delegierten der CER-Mitgliedskirchen hätten an der Generalversammlung Fragen an die Ratspräsidentin gehabt. Diese jedoch liess in ihrer Abwesenheit eine schriftliche Erklärung verlesen. Laut einem Artikel von «24heures» wies sie darin den Vorwurf des Machtmissbrauchs ebenso zurück wie jenen der Einflussnahme auf die Arbeit von «protestinfo». Der Text endete mit den Worten: «Ich werde nicht zurücktreten.» Einen Fragenkatalog von ref.ch liess die CER-Präsidentin unbeantwortet.

Die Delegierten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) kritisierten an der Generalversammlung das Verhalten des CER-Exekutivrats. Sie reichten eine Interpellation ein, in der von ungenügender Governance, unkoordinierter Kommunikation der Institution sowie von einem Verlust des Vertrauens in den Umgang des Rats mit den Vorkommnissen bei «protestinfo» die Rede ist. Refbejuso-Mediensprecher Matthias Siegfried sagt auf Anfrage: «Wir waren konsterniert über den Umgang mit diesem Fall. Die Pressefreiheit ist für uns sehr wichtig, und der Imageschaden ist für alle Kirchen beträchtlich.» Die Auswirkungen auf europäischer Ebene seien unabsehbar.

Offiziell wurden die Journalistin und der Journalist entlassen wegen «anhaltender Differenzen darüber, wie die Agentur ihren Auftrag zwischen Redaktionsfreiheit und institutioneller Verantwortung» wahrnehmen soll. Laut CER-Vizepräsident Yves Bourquin hätten sich die Mitgliedskirchen wiederholt über einseitige und mangelhaft neutrale Recherchen beschwert.

Die Synode will eine Untersuchung

An der CER-Generalversammlung jedoch klang es anders: «Wir hatten ein gutes Verhältnis», sagte ein Delegierter der Freiburger Kirche. Man sei sich bewusst, dass die Agentur im Spannungsverhältnis zwischen unabhängigem Journalismus und Loyalität zur CER stehe. Aus Genf hiess es: Es knirsche manchmal im Umgang mit «protestinfo», aber es sei normal, dass von Zeit zu Zeit Spannungen auftreten.

Nun wird eine Kommission zusammengestellt, welche die Umstände untersuchen wird, die zur Entlassung der Journalisten geführt haben. Es soll auch analysiert werden, was es grundlegend bedeutet, eine Nachrichtenagentur zu sein, die unabhängig arbeiten soll, aber organisatorisch und finanziell an die CER gebunden ist. Die Kommission wird ihren Bericht im Juni 2026 abgeben.

«Der Beschluss der Generalversammlung, eine Untersuchungskommission einzusetzen, schafft die Grundlage für eine Lösung des Problems», sagt Refbejuso-Sprecher Siegfried. Refbejuso habe volles Vertrauen in die Kommission und deren Unabhängigkeit, die durch die Ernennung von Serge Reymond garantiert sei. Reymond war bis 2020 beim Zeitungsverlag Tamedia angestellt, unter anderem als Direktor dessen Westschweizer Publikationen.

Kurz vor der Entlassung der Journalisten wurde eine Überarbeitung der Charta der Agentur «protestinfo» vorgestellt. Sie definiert die Arbeitsweise der Redaktion und die Kooperation mit den Kirchen genauer als im bestehenden Leitfaden (ref.ch berichtete). «Die Überarbeitung der Charta muss fortgesetzt werden, unter Einbezug einer vertieften Reflexion über die Governance und die Rolle dieses heiklen Projekts», erklärt Siegfried.

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