Medien

Kündigungen bei «Protestinfo» werden untersucht

Nach der strittigen Kündigung zweier Journalisten in der Romandie warnt der Europarat vor einer Einschränkung der Medienfreiheit. Die Konferenz der Westschweizer Kirchen (CER) lässt die Umstände der Entlassungen untersuchen.
Die reformierten Kirchen in der Romandie publizieren über die Agentur Protestinfo und das Mitgliedermagazin Réformés eigene Inhalte. (Bild: gab)

Die Plattform des Europarats für die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten schlägt Alarm: In der Westschweiz sei die Medienfreiheit bedroht. Die Plattform existiert seit zehn Jahren, sie hat in dieser Zeit jährlich zwischen 30 und 70 mal alarmiert, wenn in Europa die Medienfreiheit unter Druck geriet.

Der aktuelle Anlass ist die Entlassung der Chefredaktorin und des Redaktors der reformierten Nachrichtenagentur «Protestinfo» im Oktober (ref.ch berichtete). Die Arbeitgeberin «Réf-Médias» sowie die Verantwortlichen der Kirche machen «interne Gründe» geltend und sprechen von einem «Riss im Vertrauen» zwischen Kirchenlandschaft und Agentur.

Die Journalistinnen hingegen sagen, durch die Kündigungen sollte die Publikation einer unliebsamen Recherche verhindert werden. Offenbar haben die beiden recherchiert zu Anschuldigungen gegen einen Waadtländer Theologieprofessor. Im Raum stehen Vorwürfe wegen mutmasslicher sexueller Übergriffe. Ein erster Artikel zu diesem Thema erschien im Sommer 2024 (ref.ch berichtete).

Jedes Jahr schlägt die Plattform zur Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten Alarm, weil die Medienfreiheit bedroht ist. (Grafik: Europarat)

Die Entlassung der Journalistinnen warf in der Westschweiz medial hohe Wellen. Ein Offener Brief forderte die Wiedereinstellung der Medienschaffenden und wurde auch in der Deutschschweiz wahrgenommen. Die Organisation «Reporter ohne Grenzen Schweiz» stellte fest, dass den Journalistinnen kein Fehler vorgeworfen worden sei, und lobte die Hartnäckigkeit, mit der sie Relevantes aufgedeckt hätten.

Was weiss man über die Gründe?

Dem Vernehmen nach sind die Schwierigkeiten tiefliegender. Wie ref.ch erfahren hat, herrschten seit Jahren Spannungen zwischen Kirchenmitarbeitenden und der Agentur, ausgelöst durch die unterschiedlichen Auffassungen von journalistischer Arbeit.

Noch im September wurde eine Charta vorgestellt, in welcher beide Seiten festhielten, welche Arbeitsweise und welche Standards sie künftig beherzigen wollen.

Was geschieht als nächstes?

An der Synode der Reformierten Kirche des Kantons Waadt informierte die Synodalrätin Anne Abruzzi, dass der CER-Exekutivrat eine Untersuchung zur Causa durchführen lassen wird. Der darauffolgende Bericht soll die strittigen Kündigungen beleuchten. An der Ausarbeitung des Berichts soll mindestens eine externe Fachperson beteiligt sein. Auf Wunsch der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Waadt werden die Resultate des Berichts öffentlich zugänglich gemacht.

In der Untersuchung soll geklärt werden, unter welchen Umständen die Entlassungen stattfanden, ob die Rechte und Pflichten der Journalistinnen gewahrt blieben und wie es mit der Agentur «Protestinfo» weitergeht.

Einer der Journalisten sagte zu «Blick», seine Entlassung sei ein «Angriff auf die Medienfreiheit». Und weiter: «Dass unsere Situation auf europäischer Ebene gemeldet wurde, zeigt aber, dass sie für manche Menschen Fragen zur Pressefreiheit aufwirft.»

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