Nach Intervention von Kirchen

Journalisten von Protestinfo stehen vor Entlassung

Die Nachrichtenagentur der reformierten Kirchen der Romandie gerät nach Differenzen mit Mitgliedskirchen in die Schlagzeilen. Nun soll die Arbeit der Agentur neu ausgerichtet werden.

Gegen die beiden Journalisten der reformierten Nachrichtenagentur Protestinfo läuft aktuell ein Verfahren zu einer «einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses». Das schreibt der Exekutivrat der Konferenz der reformierten Kirchen der Romandie (CER) in einer Medienmitteilung. Die von den reformierten Kirchen der Romandie gegründete Agentur liefert Religionsbeiträge an mehrere Westschweizer Medien.

Am Tag zuvor hatte «24 heures» über den Fall berichtet. Darin sprach die betroffene Chefredaktorin von einer «redaktionellen Meinungsverschiedenheit».

In der Mitteilung schreibt der Vizepräsident der CER, Yves Bourquin, dass es sich nicht um eine Meinungsverschiedenheit «über das legitime Recht der journalistischen Recherche» handle. Vielmehr habe es eine anhaltende Differenz darüber gegeben, wie Protestinfo seinen Auftrag zwischen Redaktionsfreiheit und institutioneller Verantwortung wahrnehmen soll. Im Artikel von «24 heures» wird Bourquin konkreter: Die Kirchen hätten sich wiederholt über einen einseitigen und mangelhaft neutralen Rechercheprozess beklagt.

Der Entscheidung, die beiden Journalisten zu entlassen, seien Gespräche mit Mitgliedskirchen vorausgegangen. «Ziel war es, wiederkehrende Spannungen zu entschärfen, verloren gegangenes Vertrauen zu einzelnen Kirchenleitungen wiederherzustellen und die Zusammenarbeit neu auszurichten», heisst es in der Mitteilung. Trotz der Bemühungen sei deutlich geworden, dass kein «dauerhaftes Gleichgewicht» mehr gefunden werden könne.

Der Fall zeigt laut Mitteilung die Schwierigkeit, in einer von den Kirchen finanzierten Agentur das Gleichgewicht zwischen journalistischer Unabhängigkeit und den Erwartungen der Kirchen zu wahren.

Protestinfo soll aber nicht aufgelöst, sondern neu ausgerichtet werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Dabei soll zusammen mit den Mitgliedskirchen ein neuer Rahmen definiert werden. Diese Überlegungen sollen im Einklang mit den Rechten und Pflichten der Journalistinnen und Journalisten des Schweizer Presserats stattfinden. (gab)

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