Vorschau

Diese Ereignisse beschäftigen die Reformierten 2022

Die Umsetzung der «Ehe für alle», der Abschluss der Causa Locher und die Volksabstimmung über Organspenderegelungen – das sind drei der Themen, die dieses Jahr unter Reformierten zu reden geben dürften. Auch in den einzelnen Kantonalkirchen stehen wichtige Entscheide an.

Ab Sommer dürfen gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz heiraten. (Bild: Gaëtan Bally/ Keystone)
Fusion vollziehen

Per 1. Januar haben das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) und «Brot für alle» fusioniert. Beim Zusammenschluss geht es weniger um eine Fusion als um die Übernahme einer kleineren Organisation durch eine grössere. Die neue Organisation spart dank Synergien jährlich etwa 1,5 Millionen Franken.

Werk übersetzen

Vor fünfhundert Jahren, im Winter 1521/ 22, hat sich der bekannte deutsche Mönch und Theologe Martin Luther auf die Wartburg zurückgezogen. Untergetaucht als «Junker Jörg» begann er, das Neue Testament aus dem Altgriechischen ins Deutsche zu übersetzen. Der Reformator soll diese Arbeit innert elf Wochen abgeschlossen haben. Seine Lutherbibel und seine Kirchenpolitik lösten tiefgreifende Veränderungen der europäischen Gesellschaft und Kultur der Frühen Neuzeit aus.

Die Stiftung Luthergedenkstätten begeht das Jubiläum mit einer Spezialschau: Die Ausstellung in Wittenberg unter dem Motto «Tatort 1522»  wird als Escape Room gestaltet (zu sehen vom 23.6. bis 9.7.22).

Jubiläum feiern

Einen «runden Geburtstag» haben auch die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS), die Vereinigung besteht seit 75 Jahren. Die EFS vertreten als Dachverband Interessen und setzen sich besonders ein für Gleichberechtigung in der Kirche. Unter anderem haben sich die EFS letztes Jahr an der Frauensession in Bern beteiligt. Präsidiert wird die Vereinigung aktuell von Gabriela Allemann.

Vorlage umstritten

Noch bis zum 22. Januar hat ein Komitee Zeit, insgesamt 50’000 Unterschriften zu sammeln für ein Referendum gegen die Revision des Transplantationsgesetzes: National- und Ständerat hatten zuvor beschlossen, dass jede Person nach dem Tod zur Organspenderin wird, wenn Verstorbene oder Angehörige das nicht explizit ausschliessen. Das Referendumskomitee argumentiert unter anderem, das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit sei bei einer automatischen Organentnahme nicht mehr gewährt.

Budget genehmigen

Im ersten Quartal stimmen die Nidwaldner Reformierten an einer Kirchgemeindeversammlung erneut über das Budget ab. Ende November war dieses zurückgewiesen worden, weil darin keine Rückstellungen für die allfällige Entschädigung wegen eines Rechtsstreits gebildet worden waren. Wird das Budget erneut abgelehnt, könnten kirchliche Angebote aus Spargründen gestrichen werden.

Liegenschaften veräussern

Welche Gebäude will man behalten, welche abstossen? Das muss der Grosse Kirchenrat der Gesamtkirchgemeinde Bern entscheiden. Am 16. März wird über die umstrittene Liegenschaftsstrategie abgestimmt.

Revisionen verabschieden

Am 28. März findet in der Appenzeller Kirche die zweite Lesung der revidierten Kirchenverfassung statt. Dabei geht es unter anderem um eine veränderte Zusammensetzung des landeskirchlichen Parlaments. Voraussichtlich im Mai folgt eine Volksabstimmung zur Revision.

Auch die Zürcher Landeskirche wird ihre Kirchenordnung teilrevidieren. Uneinig ist man sich zum Beispiel in der Frage, ob die Bezirkskirchenpflege abgeschafft werden soll oder ob sie gar gestärkt werden muss. Im Frühling 2022 ist das Thema traktandiert.

Hochzeit ermöglichen

Ab Juli dürfen gleichgeschlechtliche Paare zivilrechtlich heiraten. Deshalb ist allerdings noch nicht gesichert, dass sich die Frauen oder Männer auch überall kirchlich trauen lassen können. Denn die Kantonalkirchen entscheiden selbst, ob sie homosexuelle Trauungen zulassen oder nicht. Die Reformierten Bern-Jura-Solothurn etwa treffen in zwei Lesungen an der Sommer- und Herbstsynode einen Grundsatzentscheid dazu.

Angelegenheit abschliessen

Noch immer beschäftigt die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) und deren Präsidentin Rita Famos der Rücktritt ihres Vorgängers. Gottfried Locher hatte seinen Posten im Mai 2020 abgegeben, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin ihm Grenzverletzungen vorgeworfen hatte. Im August 2021 kam eine Untersuchungskommission zum Schluss, die Vorwürfe seien als glaubwürdig einzustufen. Die EKS wollte bis im Herbst einen Massnahmenkatalog verabschieden, um solche Vorfälle künftig zu verhindern. Die Synode entschied allerdings, das Vorhaben zu verschieben. Der Aktionsplan muss bis Ende Juni 2022 ausgearbeitet sei. An der Synode vom 12. bis 14. Juni in Sion stehen zudem Wahlen auf der Traktandenliste. Ein Ratsmitglied hat den Rücktritt erklärt, alle anderen Ratsmitglieder wollen nach bisherigem Stand wieder antreten.

Trennung möglich

Im August und September soll in den USA die Generalkonferenz der Methodisten stattfinden. Es wird damit gerechnet, dass es dann zur Trennung der weltweiten Methodistenkirchen kommt. Ursache für die Spaltung sind unterschiedliche Meinungen in Fragen zur Homosexualität.

Treffen planen

Im deutschen Karlsruhe sollen zwischen dem 31. August und dem 8. September an der Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen rund 4000 Vertreterinnen und Vertreter aus 349 Kirchen aus aller Welt zusammenkommen. Das Treffen findet nach über 50 Jahren erstmals wieder auf dem europäischen Kontinent statt.

Sportanlass kritisieren

Am 21. November beginnt in Qatar in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Fussball-Weltmeisterschaft. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) hat die Vergabe mehrfach kritisiert wegen Menschenrechtsverletzungen. Der sportliche Grossanlass dauert bis zum 18. Dezember 2022