Synode

Appenzeller Kirchenverfassung nimmt erste Hürde

Die Synode der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell hat in einem Sitzungsmarathon die erste Lesung der neuen Kirchenverfassung abgeschlossen. Ein Streitpunkt war die Zusammenarbeit und Fusion von Kirchgemeinden.

Vor drei Jahren hat die Appenzeller Kirche den Startschuss für den Reformprozess ihrer Verfassung gegeben. In insgesamt drei Sitzungen im November und Dezember stand nun die erste Lesung des Verfassungsentwurfs an. Ein Rückweisungsantrag für die gesamte Verfassung scheiterte dabei in der ersten Sitzung mit deutlichem Mehr, wie es in einer Mitteilung vom 9. Dezember heisst.

Danach wandten sich die Abgeordneten der inhaltlichen Debatte zu. Zu reden gab der Vorschlag des Kirchenrates, Kirchgemeinden zur Zusammenarbeit zu verpflichten oder zusammenzulegen, wenn sie wesentliche Aufgaben über einen längeren Zeitraum nicht erfüllen können. Der Pfarrkonvent bemängelte, dass sich dies nicht mit der Autonomie der Gemeinden vertrage. Demgegenüber betonte die vorberatende Kommission, dass der Artikel vor allem ein Auffangnetz für Kirchgemeinden sei. Das Parlament folgte dieser Argumentation schliesslich mehrheitlich, wie es in der Mitteilung heisst.

Chancenlos blieb dagegen die im Verfassungsentwurf vorgeschlagene Abschaffung der freien Kirchgemeindewahl. In der Appenzeller Kirche steht es jedem Miglied frei, selbst zu wählen, welcher Kirchgemeinde es angehören will. In der Diskussion wiesen die Abgeordneten auf die Fortschrittlichkeit dieser Regelung hin. Die Versammlung sprach sich schliesslich mit grosser Mehrheit dafür aus, an der freien Gemeindewahl festzuhalten.

Kirche rechnet mit Verlust

Neben der Kirchenverfassung beriet die Synode über weitere Sachgeschäfte. Einstimmig angenommen wurde das Budget 2022. Es weist einen Verlust von knapp 67’000 Franken aus.

Der Finanzplan wurde zur Kenntnis genommen. Die Synode beauftragte auf Antrag der Geschäftsprüfungskommission den Kirchenrat damit, bis 2024 Massnahmen zur Beseitigung des strukturellen Defizits vorzuschlagen. (no)

Einstimmig angenommen wurde dagegen ein Artikel, der die Zusammensetzung des landeskirchlichen Parlaments neu regelt. Für die Verteilung der Sitze auf die einzelnen Kirchgemeinden sollen künftig die Mitgliederzahlen massgebend sein, die sich aus der Registererhebungen der Einwohnergemeinden ergeben. Mit der neuen Regelung will der Kirchenrat verhindern, dass kleine Kirchgemeinden überproportional in der Synode vertreten sind.

Die zweite Lesung der neuen Kirchenverfassung findet an der Synode vom 28. März 2022 statt. Nach dem Rücktritt von Koni Bruderer per Ende dieses Jahres wird der Verfassungsentwurf erstmals von der neuen Kirchenratspräsidentin Martina Tapernoux-Tanner vertreten. (no)