Bern

Neue Strategie für die Liegenschaftsstrategie

Schon länger ist klar, dass die Stadtberner Kirchen bei ihren Liegenschaften sparen müssen. Allein: Es fehlt die passende Strategie. Nun soll ein Dialogprozess die Lösung bringen. Weil aber gleichzeitig Fusionspläne bestehen, ist auch dieser Weg steinig.

Die Sanierung der kirchlichen Gebäude in Bern geht ins Geld. Deshalb ist Sparen angesagt. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

35 Millionen Franken: So viel müssen die reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern bis 2036 beim Unterhalt für ihre Liegenschaften einsparen. Viele Gebäude müssten saniert werden, doch es fehlt das Geld. Bis jetzt war der Kleine Kirchenrat – die Exekutive der Gesamtkirchgemeinde – für die Sparpläne verantwortlich. Denn dieser verwaltet die Gebäude, die Kirchgemeinden wiederum benutzen die Liegenschaften.

Das Problem in dieser Situation sind die unterschiedlichen Interessen. Das hat die Erarbeitung einer für alle geltenden Liegenschaftsstrategie bisher erschwert. Wenn der Kleine Kirchenrat etwa befand, ein bestimmtes Gebäude könne abgestossen werden, so hatten die Kirchgemeinden oft ganz andere Vorstellungen. Die Situation war blockiert. Der Kleine Kirchenrat habe denn auch gemerkt, «dass er seine Vorschläge breiter abstützen muss», sagt Kurt Zaugg-Ott, Präsident des Grossen Kirchenrats und damit des Parlaments der Gesamtkirchgemeinde.

Neuer Dialogprozess

Deshalb soll nun ein neues Kapitel aufgeschlagen werden: Ein Dialogprozess, an dem die Kirchgemeinden beteiligt sind, mit externer Begleitung. Die Verantwortung dafür liegt neu beim Grossen Kirchenrat; er hat dafür eine nichtständige Kommission eingesetzt. Im Liegenschaftsforum, in dem alle Kirchgemeinden und die Angestellten vertreten sind, sollen die Fakten auf den Tisch gelegt und konkrete Vorschläge diskutiert werden. Bis im März 2022 soll dann eine Liegenschaftsstrategie stehen.

Die Kirchgemeinden seien unterschiedlich weit mit ihren Liegenschaftsplänen, stellt Kurt Zaugg-Ott fest. So hätten sich beispielsweise die Kirchgemeinderäte der Johannes- und der Markusgemeinde weitgehend geeinigt, welche Gebäude sie gemeinsam weiternutzen wollen und welche abgestossen werden sollen. Andere seien in diesem Prozess noch nicht ganz so weit. Nun müsse man alle Ideen zusammenbringen, sich austauschen und schliesslich einigen.

«Die Fusion und die Liegenschaftsstrategie sollen gestaffelt ablaufen. Sie kommen sich sonst in die Quere.»
Kurt Zaugg-Ott

Zaugg-Ott rechnet damit, dass es noch einige Konflikte geben wird. Doch er habe bereits viele positive Reaktionen erhalten auf den Neuanfang. Zudem gab es im Grossen Kirchenrat keine Gegenstimmen zu den Plänen – nur vier Enthaltungen. Natürlich koste dieser Neubeginn auch etwas, bestätigt Zaugg-Ott. «Aber wenn wir so eine Liegenschaftsstrategie erarbeiten können, mit der alle einverstanden sind, ist es das wert.»

Erschwert wird die Diskussion um die Gebäude allerdings durch die gleichzeitigen Fusionspläne. Deshalb sollen die beiden Prozesse nun gestaffelt ablaufen. «Sie kommen sich sonst in die Quere», so Zaugg-Ott. Zwar sind sie auf dem Papier unabhängig voneinander, indirekt haben sie aber eben doch miteinander zu tun. Denn wenn Kirchgemeinden sich zusammenschliessen, muss auch die Gebäudesituation stimmen. Also soll nun zuerst die Liegenschaftsstrategie unter Dach und Fach gebracht werden, danach will man sich der Fusion widmen.

Garantie gewünscht

Genau hier setzt die Kritik von Lorenz Hubacher, Kirchgemeinderat der Petruskirche, an. Er fürchtet, dass die Liegenschaftsstrategie nach der Fusion hinfällig werden könnte. Dann seien neue Gremien in der Verantwortung, die alles Beschlossene wieder über den Haufen werfen könnten. «Wir wünschen uns deshalb eine Garantie, dass eine zukünftige Liegenschaftsstrategie auch tatsächlich umgesetzt wird.»

«Weil das Vertrauen fehlt, wünschen wir uns mehr Verbindlichkeiten.»
Lorenz Hubacher

Weil es aber keine solche gebe, hätten sich die vier Mitglieder der Petruskirche im Grossen Kirchenrat der Stimme enthalten, als es um den Dialogprozess in Sachen Liegenschaften ging. Diesem sei seine Gemeinde zwar nicht abgeneigt: «Natürlich beteiligen wir uns daran», sagt Hubacher. Weil aber das Vertrauen fehle, wünsche man sich mehr Verbindlichkeiten.  

Das Verhältnis der Gremien untereinander könnte tatsächlich besser sein, bestätigt der Präsident des Kirchenparlaments, Kurt Zaugg-Ott. Doch genau deshalb sei der neue Dialogprozess geschaffen worden. Er geht denn auch davon aus, dass die Liegenschaftsstrategie wie beschlossen umgesetzt wird. Schliesslich werde sie nun breiter abgestützt.

Die Frage drängt

Zaugg-Ott gibt zu, dass die Fusion gewisse Unbekannte beinhaltet. «Aber die Liegenschaftsstrategie ist quasi die Voraussetzung für den Zusammenschluss. Wenn wir wissen, wohin es mit den Gebäuden geht, wissen wir auch, in welche Richtung die Fusion gehen wird.»

In der Stadt Bern wagt man also einen Neuanfang, um doch noch eine gemeinsame Strategie für die Liegenschaften zu entwickeln. Laut Kurt Zaugg-Ott ist die Stimmung bis jetzt gut. Denn immerhin in einem Punkt sind sich alle einig: Die Frage drängt seit langem – und muss endlich geklärt werden.