«Ehe für alle»

Diese Hürden müssen die reformierten Kirchen noch nehmen

Nach dem Ja zur Öffnung der zivilrechtlichen Ehe ist auch der Weg frei zur kirchlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Diese müssen sich in einigen Kantonalkirchen noch gedulden.

Laura und Dalia haben sich in der reformierten Kirche in Regensdorf segnen lassen. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Nun ist es entschieden: Mit einem deutlichen Mehr hat das Schweizer Stimmvolk am Sonntag Ja zur «Ehe für alle» gesagt. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen somit zivil heiraten. Rechtlich erlaubt sein wird das laut Justizministerin Karin Keller-Sutter voraussichtlich ab dem 1. Juli 2022, auf dieses Datum hin wird das Zivilgesetzbuch angepasst.

Rund acht Jahre wurde im Parlament über die Öffnung der «Ehe für alle» debattiert – Zeit genug für die Kirchen, Stellung zu beziehen und sich zu überlegen, wie kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare möglich wären. Ein Blick auf den aktuellen Stand in den Kantonalkirchen zeigt aber: Nicht überall ist man bei der Umsetzung gleich weit. Während in einigen Kantonen kirchliche Trauungen bereits mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes möglich sind, könnten sich diese andernorts verzögern (ref.ch berichtete).

Berner Kirchen diskutieren über Übergangslösung

In den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn könnte es gar bis Mitte 2023 dauern, bis die ersten homosexuellen Paare vor den Traualtar treten dürfen. Zuvor ist es nötig, die Kirchenordnung anzupassen. Erst dann erlaubt es das entsprechende Kirchenrecht, dass gleichgeschlechtliche Paare getraut werden dürfen. Entscheiden werde dies laut Synodalratspräsidentin Judith Pörksen Roder die Synode in zwei Lesungen, voraussichtlich im Sommer und Herbst 2022. Erste Trauungen von homosexuellen Paaren könnten demnach erst ab 1. Juli 2023 stattfinden – also rund ein Jahr nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung.

Allerdings besteht eine kleine Möglichkeit, dass Trauungen doch schneller umsetzbar sind. Bereits diesen Oktober sei in der Berner Kirche eine Gesprächssynode zum Thema geplant. «Dort werden wir sicher auch über die Möglichkeit einer Übergangsregelung sprechen», sagt Pörksen Roder.

Offene Fragen in der Aargauer Kirche

Ähnliche Herausforderungen gibt es im Kanton Aargau. Der Aargauer Kirchenrat hatte sich für die «Ehe für alle» ausgesprochen. Frank Worbs, Sprecher der reformierten Landeskirche, betont: «Für uns ist die Stossrichtung klar: Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare sollen möglich sein.»

Offen sei jedoch, ob die bestehende Kirchenordnung ohne weiteres auch auf gleichgeschlechtliche Paare angewendet werden könne. «Momentan ist unklar, ob es einen Beschluss der Synode braucht und ab wann gleichgeschlechtliche Paare effektiv kirchlich heiraten können», sagt Worbs.

In Zürich ist der Weg frei

Ähnlich ist die Situation in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Neuenburg. Auch hier könnte ein Synodebeschluss und damit verbunden eine Anpassung der Kirchenordnung nötig sein, wie es auf Anfrage heisst. Zwar sei in den Rechtstexten der Neuenburger Kirche formell von der Ehe die Rede, ohne dass dies näher präzisiert werde. Eine Anpassung sei deshalb eigentlich nicht nötig. Dennoch könne es sein, dass die Synode eine entsprechende Differenzierung wünsche. Im Dezember dieses Jahres wird im Kirchenparlament ein Bericht vorgelegt.

Keine weiteren Hürden sind dagegen in jenen Kantonalkirchen zu erwarten, wo die aktuelle Kirchenordnung eine Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht ausschliesst. Das ist zum Beispiel in der Zürcher Landeskirche der Fall. Dort braucht es lediglich den Trauschein des Zivilstandsamtes, damit eine Heirat in der Kirche möglich ist, wie Sprecher Nicolas Mori sagt. «Unsere Kirchenordnung macht keine Vorgaben zum Geschlecht der Brautleute. Der Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren steht nichts mehr im Weg.»