Kirchen und Politik

«Manche begrüssen die Zurückhaltung»

Im Kovi-Abstimmungskampf geben sich die reformierten Kirchen zurückhaltend. Dabei habe sich an der Haltung zur Sache nichts geändert, heisst es nun von Refbejuso.
Ein Bild, das der Vergangenheit angehört: Im Abstimmungskampf 2020 positionierten sich einige Reformierten Kirchen klar für die Kovi. Die Aufnahme ist in der Romandie in Morges entstanden. (Bild: Jean-Christophe Bott/ Keystone)

Herr Burkhalter, Refbejuso gibt, anders als bei der ersten Vorlage zur Konzernverantwortungs-Initiative (Kovi), keine Empfehlung ab – das wäre ein Kurswechsel. Nun entgegnet der Synodalrat, dass er an der ursprünglichen Haltung zur Initiative festhält. Wie erklären Sie das?
Ueli Burkhalter: Wir haben schon im Jahr 2020 nicht einfach Ja- oder Nein-Parolen beschlossen. Wir lieferten Impulse aus kirchlicher Sicht für die Meinungsbildung, aber keine Parolen oder Abstimmungsempfehlungen. An dem hat sich bis heute nichts geändert. Auch unsere Haltung zum Thema Menschenrechte und Umweltschutz bleibt gleich. Wir haben also keinen Kurswechsel vollzogen. Der Unterschied ist, dass wir keine Formulare mehr auf der Website haben für Banner an Kirchen. Diese Aktion ist damals schlecht verstanden worden.

Es gab viel Kritik dafür, vor allem aus der Politik.
Ja, manche fassten die Banner als Provokation auf. Dabei war immer klar: Jede Kirchgemeinde entscheidet selbst, ob sie ein Banner raushängt. Aber weil das zu Missverständnissen führte, setzen wir diesmal stärker auf den Dialog. Wir haben unsere Standpunkte von 2020 aktualisiert, aber nicht verändert. Und wir haben sie mit einer Erklärung ergänzt: Es ist die Meinung des Synodalrats im Sinne eines Diskussionsbeitrags. Beim letzten Mal hatten manche das Gefühl, wer eine andere Meinung vertrete, werde als «schlechter Christ» angeschaut. So ist es nicht. Damals war der Abstimmungskampf hitzig und polarisiert, das ist heute anders. Darum wird aber auch weniger wahrgenommen, was die Kirche sagt, obwohl wir inhaltlich am gleichen Punkt geblieben sind.

Zur Person

Ueli Burkhalter ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Diessbach/Busswil und seit 2019 Mitglied des Synodalrats der Reformierten Kirchen Bern‑Jura‑Solothurn (Refbejuso). (dst)

Wie kommt die neue Zurückhaltung in den Kirchgemeinden an?
Das Thema Kovi ist weniger präsent als damals. 2020 hat der Einsatz für die Initiative in Kirchgemeinden zu Rissen in der Gemeinschaft geführt. Wir wollen diesmal eine Frontenbildung verhindern. Manche begrüssen die Zurückhaltung; andere finden, wir sollten uns stärker einbringen. Das zeigt, dass unterschiedliche Sichtweisen in der reformierten Kirche Platz haben. Es braucht Räume für den Dialog und da sehen wir unsere Aufgabe.

Die Anliegen der Initiative sind Kernthemen der Kirche. Sie könnte sich öffentlich dafür positionieren. Ist der Synodalrat vorsichtiger geworden, weil der Kanton Bern gerade prüft, ob Unternehmen künftig auf freiwilliger Basis Kirchensteuer zahlen sollen?
Unsere Haltung resultiert aus theologischer und ethischer Überzeugung, nicht aus politischem Kalkül. Menschenrechte, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung sind für uns grundlegende Werte. Es könnte zwar so scheinen, dass unsere zurückhaltendere Kommunikation mit der Unternehmenssteuer zusammenhängt. Aber das ist ein anderes Thema.

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