Schweiz

Eine halbe Million Fischli für die Rückkehr des Lachses

Der Rhein-Lachs ist in den 1950er-Jahren ausgestorben. Seit Jahren bemühen sich Naturschützer, Fischer und staatliche Stellen darum, den Wanderfisch zurückzubringen. Dieses Jahr setzt die Schweiz 500’000 Junglachse aus, um das Ziel bis 2030 zu erreichen.

Es gab Zeiten, da war es normal, einen Lachs aus dem Rhein zu ziehen. Es gab so viele dieser grossen Fische, dass sie als Grundnahrungsmittel galten. Der Rhein war der grösste Lachsfluss Europas, es herrschte Überfluss: In Basel musste man sogar mittels einer Verordnung unterbinden, dass Dienstmägde mehr als sechs Mal pro Woche Lachs zum Essen bekamen.

Alte Fangstatistiken zeigen auf, dass 1878 zwischen Basel und Laufenburg über 4500 Lachse gefischt wurden. Bis in die 1920er-Jahre hinein war es üblich, gefangene Lachse im Rhein an Leinen angebunden zu lassen: Man fing schlicht zu viele, und auf diese Weise blieben sie frisch.

Die Laichgründe und Kinderstuben der Lachse befanden sich in der Aare, Reuss, Limmat und Thur sowie in zahlreichen kleineren Zuflüssen. Dort wuchsen sie auf und schwammen den Rhein hinab zum Meer, wenn sie gross genug waren. Im Salzwasser lebten sie bis zur Geschlechtsreife und wanderten schliesslich zurück in ihr Heimatgewässer, um sich fortzupflanzen.

Lachse schwimmen hunderte von Kilometern auf ihren Wanderungen. (Bild: M. Roggo)

Doch Kanalisierungen, Wasserverschmutzungen und der Bau von Flusskraftwerken nahm den wandernden Lachsen ihren Lebensraum. Seit den 1950er-Jahren gilt der Rheinlachs als ausgestorben. Vor über 40 Jahren begannen Naturschützerinnen, Fischer und Behörden europaweit damit, den Lachs zurück in den Rhein zu bringen. Weil die ursprüngliche Art verloren war, setzte man Junglachse aus Schottland in ein Gewässer bei Basel ein.

Doch mit 10'000 jungen Fischen war es nicht getan: Der Lachs will wandern. Bevor sich die Fischart hier wieder etablieren kann, muss das Wasser sauber und müssen die Flussbette renaturiert sein. Alle Stauwehre und Kraftwerke zwischen Bodensee und Rotterdam brauchen Fischtreppen.

Drei Hindernisse übrig

Aktuell sind nur noch drei Bauwerke im Rhein nicht mit solchen Wanderhilfen ausgerüstet. Bei den Kraftwerken Rheinau und Marckolsheim (Fr) in der Nähe von Freiburg im Breisgau laufen gerade die Bauarbeiten und 2026 sollen die Aufstiegshilfen für die Fische einsatzbereit sein. Dann wird das Kraftwerk Vogelgrün, 55 Kilometer rheinabwärts von Basel, das letzte Hindernis sein.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) wähnt das Lachsprojekt auf der Zielgeraden. Im «Wiederansiedlungskonzept Atlantischer Lachs Schweiz» im Auftrag des Bafu steht, dass die Konferenz der Rheinminister davon ausgehe, dass die Lachse ab 2027 ungehindert wandern können. In den letzten Jahren wurden bereits einzelne Lachse in der Schweiz gefangen – man vermutet, dass sie so weit aufsteigen konnten, indem sie Schiffsschleusen nutzten, wo der Weg sonst versperrt gewesen wäre.

Der Lachs findet seinen Weg – wenn es nur kein Hindernis gibt, das den Fluss komplett versperrt. (Bild: M. Roggo)

Das Bafu rechnet damit, dass im Jahr 2030 die ersten Salme sich in Schweizer Gewässern fortpflanzen können. Damit dies auch ja gelingt, werden dieses Jahr in Schweizer Zuflüssen des Rheins 500'000 junge Lachse ausgesetzt – von 2021 bis 2024 waren es jeweils rund 150'000 Jungtiere.

«Die Junglachse spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau einer Lachspopulation in der Schweiz», sagt Christian Hossli, Projektleiter Lachs Comeback bei WWF Schweiz. Ohne eine Startpopulation würden einerseits keine Lachse in die Schweiz zurückkehren. Andererseits hänge der Erfolg des Projekts auch davon ab, sagt Hossli, dass genügend Lachse zwischen Süss- und Salzwasser wandern könnten.

Ein Lachsfluss ist ein gesunder Fluss

In der Schweiz engagieren sich neben Bafu und WWF auch Organisationen wie Pro Natura, Aqua Viva oder der Schweizerische Fischerei Verband für die Wiederansiedlung der Fischart ein. In den Anrainerstaaten des Rheins sieht es ähnlich aus.

Doch weshalb wird überhaupt ein solcher Aufwand betrieben, um eine ausgestorbene Fischart wieder anzusiedeln? Weil man durch ein erfolgreiches Projekt den «Foifer und s Weggli» bekommt. Der Lachs gilt als Flaggschiff-Fisch: Fühlt er sich wohl, geht es dem Fluss gut und es profitieren auch andere Fischarten. Im Rhein wären dies allen voran die edlen Äschen und die putzigen Nasen, deren Bestand gefährdet ist.

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