Nepal/Äthiopien

Brücken für Afrika

Der Nepalese Pasang Sherpa fand aus Angst um seinen Vater seine Berufung. Inzwischen hat er Tausenden Menschen einen sicheren Zugang zu Arbeit, Bildung und Gemeinschaft ermöglicht.

Pasang Sherpa wuchs in Nepal in einer abgelegenen Gegend auf. Sein Vater arbeitete als Koch in einer Stadt. Auf dem langen Weg zur Arbeit musste dieser auf einer schmalen und wackeligen Brücke den Fluss Solu Khola überqueren. In einem Artikel des Helvetas-Magazins «Partnerschaft» erzählt Pasang Sherpa der Reporterin, dass er mit seinen sieben Geschwistern jeweils nach Einbruch der Dunkelheit mit Taschenlampen auf die Rückkehr des Vaters wartete. 

«Wir hatten grosse Angst um ihn wegen der instabilen Brücke», sagt Sherpa der Reporterin. «Ich habe mir als kleiner Junge geschworen, sie eines Tages mit einer sicheren Brücke zu ersetzen.»

Sherpa hielt sein Versprechen. In Bhutan liess er sich zum Ingenieur ausbilden. Mit 30 stiess er zu Helvetas Nepal, um im Auftrag des Hilfswerks Fussgänger-Hängebrücken aus Stahl zu bauen. Eine davon verbindet heute die beiden Ufer des Solu Khola: Genau dort, wo er früher mit seinen Geschwistern bange auf die Rückkehr des Vaters wartete.

Der Nepalese Pasang Sherpa gibt heute sein Wissen in Äthiopien weiter. (Bild: Helvetas/Simon B. Opladen)

Mitfinanziert von der nepalesischen Regierung und der Eidgenössischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), haben Pasang Sherpa und seine Kollegen von Helvetas viele weitere Fussgänger-Hängebrücken in Nepal gebaut. Etwa 10'000 ermöglichen heute unzähligen Männern, Frauen und Kindern eine sichere und schnelle Überquerung von Flüssen und Schluchten – und damit besseren Zugang zu Arbeit, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Schulen, Freunden und Verwandten. Inzwischen hat die nepalesische Regierung die Verantwortung für den Bau der Brücken selbst übernommen.

Helvetas fördert den Wissensaustausch zwischen Ländern des globalen Südens. Und so gab auch Sherpa sein Wissen weiter, zunächst in Laos, dann Indonesien und Burundi. 

Nach nepalesischem Vorbild sind in Äthiopien inzwischen rund 150 Fussgänger-Hängebrücken gebaut worden. (Bild: Helvetas/Simon B. Opladen)

Seit 2009 arbeitet er unter anderem in Äthiopien. Drei bis sechs Monate im Jahr unterstützt er dort Ingenieure, lokale Auftraggeber und Regierungsvertreter bei der Planung, Finanzierung und Erstellung von Fussgänger-Hängebrücken nach nepalesischem Vorbild. An die 150 dieser Vorhaben sind mittlerweile im ostafrikanischen Land realisiert worden. 

«Hier nennen mich alle nur Herr Maru», sagt Pasang Sherpa der Helvetas-Reporterin. Maru ist Amharisch. Es bedeutet «süsser Honig».

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