Deutscher Evangelischer Kirchtag

Dringlicher Appell für den Schutz des Klimas

Am Evangelischen Kirchentag in Nürnberg standen die Klima- und die Flüchtlingskrise im Fokus. Mit dabei war auch hoher politischer Besuch.

Am Wochenende ist der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg zu Ende gegangen. An den beiden Freiluftgottesdiensten in der Innenstadt zum Ende des Kirchentages nahmen nach Angaben der Veranstalter bei sonnigem Wetter 25'000 Menschen teil. Dabei sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière: «Wir leben in Zeiten erschütterter Gewissheiten.» Die Zeiten seien schwierig, trotzdem müsse man zuversichtlich sein, sagte er. Der frühere Bundesminister nannte die Stichworte Schöpfung, Frieden, Verteilungsgerechtigkeit, Künstliche Intelligenz und Anfechtungen der Demokratie.

Pastor Quinton Ceasar sagte angesichts der Probleme. «Wir können nicht mehr warten», sagte der aus Südafrika stammende niedersächsische Pfarrer. Wenn Jesus sage «Jetzt ist die Zeit», rufe er zur Veränderung auf, «zu mutigen Entscheidungen, die wirklich Veränderung bewirken», sagte der Pastor in Anspielung auf das Kirchentagsmotto «Jetzt ist die Zeit». Ceasar forderte Solidarität mit angefeindeten Homosexuellen, Flüchtlingen und Klimaaktivisten. «Wir sind alle die ‹Letzte Generation›», sagte er unter grossem Applaus der Besucherinnen und Besucher. Zugleich empfahl er, sich an die Liebe Gottes zu «kleben».

Podien zu Klimakrise und Krieg

Bei dem Protestantentreffen mit rund 2000 Veranstaltungen in Nürnberg und Fürth hatten seit Mittwoch Zehntausende Menschen ihren Glauben mit Gottesdiensten, Gebeten und Musik gefeiert und zugleich über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen debattiert. Auf grosses Interesse bei den 70'000 Besuchern stiessen Podien zur Klimakrise und zum Krieg in der Ukraine.

Der evangelische Kirchentag findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Grossstadt statt. Gastgeber 2025 ist Hannover, 2027 ist der Kirchentag in Düsseldorf geplant. 2024 findet ein Katholikentag in Erfurt statt.

Bundeskanzler zu Besuch

Am Samstagvormittag hatte Bundeskanzler Scholz bei einer Kirchentagsveranstaltung den Kompromiss der EU-Innenminister zur Reform des europäischen Asylrechts verteidigt. Der vereinbarte Solidaritätsmechanismus sei aus seiner Sicht ein faireres System als das aktuelle Verfahren. Am Abend sagte Aussenministerin Baerbock, sie glaube, dass es mit dieser gemeinsamen europäischen Lösung «für die Mehrheit der Geflüchteten die Chance gibt, dass es besser wird». Gleichzeitig sprach sie von einer «schwierigen Entscheidung» und von den «sicherlich schwersten politischen Tagen», diese Abwägung zu treffen. Die Grünen-Politikerin steht wegen der Einigung zu den geplanten Verfahren an den EU-Aussengrenzen in ihrer eigenen Partei unter Druck.

Gegen die geplante Verschärfung des EU-Asylrechts protestierten dagegen Teilnehmende des Kirchentags mit einer Resolution. Darin wandten sie sich gegen einen «Ausverkauf der Menschenrechte» und einen «Frontalangriff auf den Rechtsstaat und das Flüchtlingsrecht». Die Resolution wurde bei einer Veranstaltung im «Zentrum Menschenrechte» des Kirchentages verabschiedet. Eine grosse Mehrheit der rund 500 Anwesenden stimmte dafür. Allerdings gab es auch zweistellige Zahlen von Gegenstimmen und Enthaltungen. (epd/ bat)