USA

Bischöfin Budde wird zur Zielscheibe der Rechten

Eine Woche nachdem Mariann Budde, Bischöfin der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten, Präsident Trump an christliche Werte wie Barmherzigkeit oder Mitgefühl erinnert hat, rüstet die Rechte gegen sie auf. Ein Parlamentarier fordert gar ihre Deportation.
Mariann Edgar Budde (Mitte) bot Donald Trump (links) öffentlich die Stirn. Daraufhin haben sich rechte Kreise auf die Bischöfin eingeschossen. (Bild: Evan Vucci/ Keystone)

Seit Monaten wusste Bischöfin Mariann Edgar Budde, die erste Frau an der Spitze der Episkopalkirche der USA, dass sie die Predigt im Gottesdienst zur Amtseinführung halten würde. Mehrmals hat sie den Text umgeschrieben. In einem ihrer vielen Interviews der vergangenen Tage meinte sie: «Ich versuchte zu sagen, was ich spürte, müsse gesagt sein.»

Was sie sagte, führte dazu, dass Aufnahmen ihrer Predigt viral gingen. Dass US-Präsident Trump gegen sie wetterte. Dass rechte Medien und Politiker sich auf sie einschossen.

Unter anderem sprach sie Donald Trump während der Predigt direkt an und bat ihn um Barmherzigkeit gegenüber Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung, Homosexuellen und Transpersonen.

«Kultur der Verachtung»

Seltener zitiert in den Berichten über die Predigt sind Passagen, in denen sie die «Kultur der Verachtung» thematisiert. «Sie ist in unserem Land zur Normalität geworden und droht, uns zu zerstören», sagt Budde. Verachtung nähre sowohl politische Kampagnen als auch die sozialen Medien. «Viele profitieren davon, aber es ist eine gefährliche Art, ein Land zu führen», hielt sie fest. Donald Trump nutzte das Mittel der Verachtung in seinem Wahlkampf bewusst.

Das Echo aus dem rechten Lager folgte auf den Fuss. Erst postete Trump online, Buddes Gottesdienst sei langweilig gewesen und sie sei nicht gut in ihrem Job. Dann nannte er sie eine «radikal linke Hardline-Trumphasserin».

Warnung an «woke» Kirche

Kurz darauf erklärte der rechte TV-Sender Fox-News die Bischöfin zum «ersten Widerstands-Darling der zweiten Amtszeit» Trumps. Sie fülle die Leerstelle einer Antagonistin des neuen Präsidenten. Fox-News zitierte verschiedene Geistliche und gläubige Parlamentarier, die Buddes Predigt als politisch aufgeladen bezeichneten.

Jack Brewer, ein ehemaliger Football-Profi und Pastor, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, «Gottes Königreich durch Geschäfte aufzubauen», bezeichnet Budde als «woke». Gegen diese Wokeness gehe man nun im Staatsapparat und in der amerikanischen Geschäftswelt vor. «Danach wird man sich auch in den Kirchen darum kümmern müssen.»

«Man sollte sie auf die Deportationsliste setzen.»
Abgeordneter Mike Collins

Die LGBTQ-Organisation «Gays for Trump» fragte auf X, wer es für eine gute Idee gehalten habe, dass Budde eine so empörende Predigt vor Präsident Trump hält. Und der republikanische Parlamentarier Mike Collins forderte kurzum: «Die Person, die diese Predigt gehalten hat, sollte man auf die Deportationsliste setzen.» Präsident Trump hatte in seinem Wahlkampf angekündigt, Millionen von Einwanderern ohne Aufenthaltsgenehmigung aus dem Land zu schaffen.

«Mehrheit teilt Buddes Werte»

«Einem Mann wie Trump in der Öffentlichkeit die Stirn zu bieten, macht einen zur Zielscheibe», erklärt die christliche Organisation «Faithful America». Sie hat in einem offenen Brief an Bischöfin Budde die Predigt als mutig bezeichnet und ihr dafür gedankt. Bislang haben fast 50'000 Menschen den Brief unterzeichnet.

«Trumps wütende Antwort sollte alle Christen beunruhigen.»
Guthrie Graves-Fitzsimmons, Interfaith Alliance

Der US-TV-Sender MSNBC veröffentlichte einen Gast-Kommentar mit dem Titel: «Trumps wütende Antwort auf eine viral gegangene Predigt sollte alle Christen beunruhigen». Darin heisst es, Budde müsse sich nicht – wie von Trump gefordert – für die Predigt entschuldigen.

Vielmehr widerspiegelten ihre Worte die Werte einer Mehrheit der Christen Amerikas. «Diese Tatsache versucht Trump mit seiner spaltenden Rhetorik zu überdecken», heisst es im Text. Der Wutausbruch des Präsidenten aufgrund der Predigt sei ein Hinweis darauf, dass er «Widerstand im Namen Jesu» als Angriff auf die eigene Autorität empfinde.

«Kannst du das glauben?»
Präsident Trump zu seiner Frau während Mariann Buddes Predigt

Die «Esslinger Zeitung» schliesslich gibt wieder, was ein forensischer Lippenleser den TV-Aufnahmen aus dem Gottesdienst entnommen hat. Während Buddes Predigt habe Trump-Tochter Tiffany zu ihrem Mann gesagt: «Kannst du das glauben?» Donald Trump Junior soll gesagt haben: «Ich kann es nicht glauben, nein.» Der US-Präsident wiederum soll seine Frau Melania gefragt haben: «Kannst du das glauben?» Die First Lady hingegen habe nur lächelnd geschwiegen.

Budde kritisierte Trump schon 2020

Es ist nicht das erste Mal, dass Budde gegen Trump Stellung bezieht. 2020 liess der Präsident eine Demonstration der «Black Lives Matter»-Bewegung in Washington vom Militär gewaltsam räumen, um sich mit einer Bibel in der Hand vor einer Kirche fotografieren zu lassen. In einem Gastbeitrag in der New York Times schrieb Budde damals, der Anblick habe sie empört. Denn: «Herr Trump benutzte heilige Symbole, um sich in den Mantel geistlicher Autorität zu hüllen, während er gleichzeitig Positionen vertrat, die im Widerspruch zur Bibel standen, die er in den Händen hielt.»

Dass Bischöfin Budde klein beigeben wird angesichts des Lärms aus dem republikanischen Lager, ist nicht zu erwarten. 2023 veröffentlichte sie ein Buch, das noch nicht auf Deutsch erhältlich ist. Dessen Titel lautet übersetzt: «Wie wir lernen, tapfer zu sein: Entscheidende Momente im Leben und im Glauben».

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