Schweizer Hilfswerke

100 Millionen Franken weniger

Zahlreiche Staaten haben ihre Ausgaben für die Entwicklungshilfe gesenkt, allen voran die USA. Schweizer Hilfswerke setzen daher auf eine neue Strategie.

Nach dem Kahlschlag in der US-Entwicklungshilfe haben Schweizer Hilfswerke an einer Medienkonferenz eine erste Bilanz gezogen. Und die hat es in sich: Insgesamt mussten die Mitglieder von Alliance Sud, zu denen unter anderem das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) und die Caritas Schweiz gehören, ihre Budgets um 100 Millionen Franken reduzieren. Ausserdem hätten 1000 Personen ihre Arbeit verloren. Bei den meisten handelt es sich um lokale Mitarbeiter der Hilfswerke.

Laut Alliance Sud sind 3,7 Millionen Personen weltweit von den Kürzungen betroffen. Heks-Direktorin Karolina Frischkopf berichtete etwa von Projekten in Randregionen der Ukraine, in der Demokratischen Republik Kongo und in Äthiopien, die demnächst eingestellt werden müssten. Die Erosion der Prinzipien Inklusion und Diversität führe dazu, dass Menschen am Rande der Gesellschaft zunehmend auf sich selbst gestellt seien.

Hilfswerke überrumpelt

Barbara Hintermann von Terre des Hommes verwies darauf, dass die Arbeit der Organisation im grössten Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch nur noch bis im August dieses Jahres gesichert sei und deswegen Menschenleben auf dem Spiel stünden. Gelder aus den USA machten demnach 10 Prozent des Gesamtbudgets von Terre des Hommes aus.

Überrascht zeigten sich die Hilfswerke von der Geschwindigkeit und dem Ausmass des Abbaus der amerikanischen Entwicklungshilfe. Der Geschäftsleiter von Alliance Sud, Andreas Missbach, bezeichnete die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump als verfassungswidrig. Die Kompetenz dafür liege beim Parlament des Landes. Zudem kritisierte Missbach den Bundesrat für seine passive Haltung.

Schweiz in der Kritik

Die Hilfswerke zeigten sich nicht nur über die Situation in den USA besorgt. Zahlreiche Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hätten ihre Budgets für die Entwicklungshilfe gekürzt. Auch die Schweiz habe 2024 knapp 15 Prozent weniger als im Vorjahr für die Entwicklungshilfe ausgegeben. Zudem habe das Parlament im vergangenen Jahr weitere Kürzungen beschlossen.

Das widerspreche dem Willen der Schweizer Bevölkerung, sagte Missbach. Laut einer repräsentativen Umfrage der ETH Zürich waren knapp 80 Prozent der Bevölkerung der Meinung, dass die Ausgaben für die Entwicklungshilfe gleich bleiben oder erhöht werden sollten.

Suche nach neuen Geldgebern

Als Reaktion auf den weltweiten Trend wollen die Hilfswerke vermehrt die vorhandenen Ressourcen in den Ländern des Globalen Südens mobilisieren. Die Geschäftsleiterinnen der Hilfswerke kritisierten, dass aufgrund der Schuldenlast armer Länder noch immer mehr Geld aus dem Globalen Süden in den Norden fliesse als umgekehrt. In vielen armen Ländern seien die Ausgaben für Zinsen höher als für das Bildungs- und Gesundheitswesen.

Karolina Frischkopf vom Heks wies ausserdem darauf hin, dass kleine und mittlere Unternehmen in vielen armen Ländern Mühe hätten, an Kapital zu kommen. Entwicklungsgelder aus dem Norden sollten daher in den Aufbau eines Bankenwesens fliessen.

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