Weltgebetstag

Eine Botschaft vom anderen Ende der Welt

Der diesjährige Weltgebetstag wird von Christinnen von den Cookinseln im Südpazifik gestaltet. Er wird am 7. März in ökumenischen Gottesdiensten rund um den Erdball gefeiert. Sein Motto lautet: «wunderbar geschaffen!»
Tevairangi Napa und ihre Mutter Tarani Napa haben das Poster für den diesjährigen Weltgebetstag gestaltet. Sie leben auf den Cookinseln. (Bild: World Day of Prayer International Committee)

Am Freitagabend heisst es in vielen Kirchen in der Schweiz zur Begrüssung «Kia orana». Die auf den Cookinseln gängige Begrüssung bedeutet: «Ich wünsche dir, dass du lange und gut lebst, dass du leuchtest wie die Sonne und mit den Wellen tanzt.»

Der diesjährige Weltgebetstag steht ganz im Zeichen der Cookinseln im Pazifik. Claudia Buhlmann, Pfarrerin der Kirchgemeinde Münchenbuchsee-Mosseedorf, freut sich auf eine «richtige Ladung Kraft», wie sie auf Anfrage von ref.ch sagt.

Seit über 30 Jahren hilft sie mit, Feiern zum Weltgebetstag zu organisieren – viele Jahre als Freiwillige an ihrem Wohnort und seit 20 Jahren gemeinsam mit Kolleginnen und Freiwilligen der Kirchgemeinde Münchenbuchsee-Moosseedorf. «Es handelt sich für mich um einen besonders wichtigen Tag, weil unsere Kirche dann über den Tellerrand blickt.»

In mehr als 120 Ländern organisieren und gestalten ihn Frauen jedes Jahr am ersten Freitag im März. Damit wollen sie ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen sowie für die Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und Gesellschaft kämpfen. Es stehen spirituelle, religiöse und gesellschaftliche Fragen sowie das politische Engagement für Frauenrechte im Vordergrund.

Die vor fast 140 Jahren in den USA entstandene Glaubensinitiative gilt heute als grösste Basisbewegung von Christinnen. Jedes Jahr wird die Lebenssituation von Frauen eines bestimmten Landes oder einer Region ins Zentrum gestellt: 2023 war es Taiwan, 2024 Palästina.

Positives Thema

Im Gottesdienst in Moosseedorf wird die Tradition der Cookinseln aufgenommen, Blumenkränze im Haar zu tragen. Es werden Lieder in Maori-Sprache gesungen und es wird getanzt werden. Pfarrerin Buhlmann freut sich über das positive Motto «wunderbar geschaffen». Die Frauen aus dem Südpazifik haben dazu Texte erarbeitet.

Die Cookinseln liegen im sogenannten Polynesischen Dreieck. Von Australien sind sie 6700 Kilometer entfernt und von Neuseeland 3200. (Grafik: Weltgebetstag e.V.)
Vom Frauen- zum Weltgebetstag

Der Weltgebetstag wurde von christlichen Frauen gegründet, aber inzwischen feiern auch Männer mit. Christlicher Glaube, Gebet und das aktive Handeln für eine gerechte Welt gehören nach Angaben der Organisatorinnen beim Weltgebetstag untrennbar zusammen. Sichtbares Zeichen dafür sind etwa die Kollekten aus den Gottesdiensten. Mit dem Erlös werden Projekte in aller Welt unterstützt.

1887 versammelten sich Christinnen erstmals zu einem Frauengebetstag in den USA. Ein erster ökumenischer Weltgebetstag in Deutschland fand 1947 im Berlin der Nachkriegszeit statt. Seit Anfang der 1960er-Jahre engagieren sich auch römisch-katholische Frauen vermehrt in der Bewegung. 1968 wurde in Schweden ein Internationales Weltgebetstagskomitee gegründet. Seit 1970 treffen sich Frauen aus allen Regionen der Welt in der Regel alle vier Jahre, um die zukünftigen Länder und Bibelstellen auszuwählen. (epd)

Der Weltgebetstag 2024 hatte unter der Leitung von Frauen aus Palästina gestanden. Vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten war dies belastend und sorgte für Kritik (ref.ch berichtete). Ganz anders ist es heute. «Die Vorbereitungen sind schön für einen Gottesdienst mit dem Inhalt: Es ist gut, dass wir da sind und wie wir sind», sagt Buhlmann.

Fehlende Perspektiven

Doch auch im scheinbaren Südsee-Paradies gibt es Sorgen und Probleme. Die polynesische Inselgruppe umfasst 15 kleine Inseln. Es gibt wenig Infrastruktur und wenige Möglichkeiten zur Ausbildung. Rund 15'000 Menschen leben auf den Inseln, aber der Grossteil der Bevölkerung ist abgewandert: 100'000 Cook-Insel-Maori leben in Australien und Neuseeland.

Claudia Buhlmann gibt ausserdem zu bedenken, dass das Atoll bedroht ist: «Der Meeresspiegel steigt und einige Inseln werden untergehen.» Unter dem Meeresspiegel liegen zudem viele Bodenschätze, die ein Wettrennen von Rohstofffirmen auslösen könnten.

Mit Material der Nachrichten-Agentur epd.

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