Sylvia Michel
Sie war immer wieder eine Pionierin
Türen hat sie viele geöffnet, die Pfarrerin, Kirchenratspräsidentin, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (heute: EKS) und politisch engagierte Sylvia Michel.
So war sie beispielsweise die erste Pfarrerin im Aargau, die ohne einen Pfarrer an der Seite eine Kirchgemeinde leitete. 1964 übernahm sie das Pfarramt in Ammerswil und dafür wurde die Kirchenordnung angepasst.
Später hat Sylvia Michel in diesem Zusammenhang jedoch betont, der Revisionsvorgang sei schon im Gange gewesen, so steht es im Buch «Wenn Frauen Kirche leiten». Man habe ohnehin vorgesehen, die Passage zu streichen, dass eine Frau nur dann ein Pfarramt leiten dürfe, wenn noch ein männlicher Pfarrer in der Gemeinde diene. Michel sagte dazu: «Ich habe nie ganz raus gefunden, was mir ein männlicher Kollege in meinem Pfarramt wesentlich hätte helfen können.»
Erste Frau im Kirchenrat
Zehn Jahre später wurde sie als erste Frau in den Kirchenrat der Reformierten Kirche Aargau gewählt. Von 1980 bis 1986 amtete sie als Kirchenratspräsidentin – eine weitere Premiere – und war damit die erste Frau in Europa, die eine Leitungsfunktion in einer Kirche ausübte.
Für Sylvia Michel sei die politische Theorie im Zentrum ihrer Arbeit gestanden, schreibt die Reformierte Kirche Aargau. Sie habe sich dezidiert gegen das Apartheids-Regime in Südafrika gestellt und in Predigten gegen den Vietnamkrieg Position bezogen.
Von 1992 bis 2000 war sie Präsidentin des Internationalen Verbandes für Diakonie und von 1998 bis 2006 präsidierte sie den Stiftungsrat des Diakonie-Werks Neumünster in Zollikerberg ZH.
Ihr zu Ehren wird ein Preis verliehen
Ihr zu Ehren und in Anerkennung ihrer Pionierrolle auf verschiedenen Ebenen wurde 2007 der Sylvia-Michel-Preis ins Leben gerufen. Er ist mit 5000 US-Dollar dotiert und wird heute vom Verein PanKS (Präsidentinnen und Vizepräsdentinnen, amtierende und nicht amtierende, der Schweizer Kirchen) und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) getragen.
Bisher wurde der Preis sieben Mal verliehen. 2022 ging er beispielsweise an Pfarrerin Rebecca Mfutila aus der Demokratischen Republik Kongo für ihren Einsatz für Gender-Gerechtigkeit in der Kirche.
Im Ruhestand widmete sich Sylvia Michel ihrem dreihundert Jahre alten Bauernhaus in Mönchaltorf ZH, der deutschen Literatur und der klassischen Musik. Am 24. Juni starb Sylvia Michel im Alter von 89 Jahren im Alters- und Pflegeheim in Wald ZH.