Wechsel im Präsidium von femmes protestantes

«Wir empfehlen alt-Nationalrätin Yvonne Feri zur Wahl»

Nach sechs Jahren tritt Gabriela Allemann als Präsidentin von femmes protestantes zurück. Ihre politische Karriere könnte schon bald auf einer anderen Ebene weitergehen.
Gabriela Allemann bewirbt sich um einen Sitz im Oltner Stadtparlament. (Bild: zvg)

Frau Allemann, im Mai hören Sie als Präsidentin von femmes protestantes auf. Worauf blicken Sie am liebsten zurück in Ihrer sechsjährigen Amtszeit?
Besonders gerne denke ich an das Jahr 2021, als wir 50 Jahre Frauenstimmrecht feierten. Das Jubiläum und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen setzten eine unglaubliche Energie in unserem Verband frei. Ich erinnere mich etwa an das Frauenrütli, die Frauensession im Bundeshaus oder die Aktion «Helvetia predigt!», bei der Frauen den Sonntagsgottesdienst am 1. August gestaltet haben. Diese Kraft wurde auch vom Frauenstreik aus dem Jahr 2019 genährt und begleitet uns bis heute.

Hätten Sie ohne die Amtszeitbeschränkung von sechs Jahren gerne weitergemacht?
Nein, sechs Jahre sind eine gute Zeitspanne, um sich einem solchen Amt zu widmen. Ich habe viel investiert und noch mehr gelernt – besonders in den Bereichen Finanzen und Fundraising – und konnte mich für feministische Anliegen in der Gesellschaft und der Kirche einsetzen. Es fühlt sich richtig an, das Präsidium nun weiterzugeben.

Letztes Jahr hat sich der Verband neu ausgerichtet. Welche Folgen hatte dieser Prozess bisher?
Das ist schwer zu sagen, da wir noch immer in diesem Prozess stecken. An unserer Versammlung vor einem Jahr war das Interesse an Veränderungen gross. Gleichzeitig bringt ein neuer Name und ein neuer Aussenauftritt immer Gesprächsbedarf. Uns war wichtig, dass wir unsere evangelische und protestantische DNA behalten. Unsere Arbeit ist ergebnisorientierter ausgerichtet, wir arbeiten mehr in Projekten. Grundsätzlich haben wir den Eindruck, dass dieser Wandel positiv aufgenommen wird.

Ein Ziel der Neuausrichtung bestand darin, mehr Mitglieder zu gewinnen. Hat das geklappt?
Für eine Analyse ist es noch zu früh. Viele unserer Mitglieder sind schon sehr lange dabei, sie treten aus Altersgründen aus oder sterben. Dafür verzeichnen wir einen Zuwachs an jüngeren Frauen, die etwa auf LinkedIn auf uns aufmerksam wurden. Schwieriger sieht es bei unseren Kollektivmitgliedern und damit unserer historischen Basis aus. Die ehrenamtliche Arbeit befindet sich im Umbruch. Für mich steht das in einem klaren Zusammenhang mit der erhöhten Erwerbstätigkeit der Frauen, die bisher noch nicht von einer tieferen Erwerbstätigkeit der Männer im System Familie abgefedert wird. Besonders die Frauenvereine bekommen das zu spüren. Sie versuchen, sich neu zu organisieren, oder lösen sich auf. Neue Mitglieder zu gewinnen, bleibt unser langfristiges Ziel.

Trotz Mitgliederrückgang rechnen femmes protestantes 2025 mit doppelt so viel Einnahmen verglichen mit 2024. Worauf stützt sich diese Einschätzung?
Das hat vor allem mit den geplanten Projekten im Bereich feministische Theologie zu tun. Wir sind zuversichtlich, dass wir für unser Pilotprojekt auf Tiktok und Instagram oder die Weihnachtsgeschichte aus feministischer Perspektive Gelder erhalten. Weitere Projekte sind noch in Planung. Fundraising bleibt aber ein hartes Pflaster. Das gilt besonders für Dachverbände, weil die Geldgeber sehr projektfokussiert sind. Wir sind dankbar, können wir weiter auf stetige Zuwendungen von kirchlichen Geldgebenden zählen, die die Arbeit der Geschäftsstelle finanzieren. Denn der konfessionelle Bezug schliesst uns häufig von Fördermitteln aus.

Wie sehen die längerfristigen finanziellen Perspektiven für femmes protestantes aus, wenn die Zahl der Kollektivmitglieder zurückgeht?
Letztes Jahr haben wir ein grösseres Defizit gemacht. Das hatte aber weniger mit dem Rückgang der Kollektivmitglieder zu tun als mit den grossen Investitionen in unsere Neuausrichtung und volatilen Spenden von grösseren Geldgeberinnen. Die Zuwendungen aus dem Frauenfonds sind beispielsweise von Kollekten abhängig. Wir sind aber zuversichtlich, dass sich unsere Investitionen künftig bezahlt machen.

Im Mai führen femmes protestantes eine Konferenz zum Thema Missbrauch in den evangelisch-reformierten Kirchen durch. Kritiker befürchten Überschneidungen mit der Arbeit der EKS-Synode zu diesem Thema. Was sagen Sie dazu?
Uns ist sehr wichtig, dass die Konferenz als Ergänzung, nicht als Konkurrenz wahrgenommen wird. Wir wollen mit der Tagung den Dialog zu diesem wichtigen Thema öffnen. So viele Menschen wie möglich sollen mitdiskutieren können. Ausserdem haben wir letztes Jahr Nein zur Studie gesagt, die der EKS-Rat vorgestellt hat. Wir wollten nicht einfach an diesem Punkt stehenbleiben, sondern einen produktiven Beitrag leisten.

Die Forderung der EKS-Synode, dass etwa der Bund eine gesamtgesellschaftliche Missbrauchsstudie durchführen soll, hat kaum Chancen. Wie soll es weitergehen?
Es stimmt, dass die politische Lage schwierig ist und beispielsweise Bundesgelder für die Gewaltprävention gestrichen werden. Sicherheit wird derzeit vor allem auf der militärischen Ebene verstanden. Abschreiben würde ich das Anliegen aber nicht. Es ist immer noch möglich, dass der Bund in die Gänge kommt oder der Druck aus dem Parlament grösser wird. Etwas anderes ist der Fokus auf die kirchenspezifischen Formen von Missbrauch und Gewalt. Da kann die EKS eigenständig vorangehen.

Sie bleiben auch nach dem Präsidium von femmes frotestantes politisch aktiv und kandidieren auf der Liste der Grünen Partei für das Oltner Stadtparlament – Wahltermin ist der 13. April. Wie kam es dazu?
Ich bin seit etwa acht Jahren Mitglied bei den Grünen. Damals war ich noch Pfarrerin in Münsingen und hielt mich politisch bewusst zurück. In Olten wollte mich meine Nachbarin schon bei den letzten Wahlen überreden, zu kandidieren, aber ich war der Ansicht, dass ein grösseres Amt reicht. Nun passt es. Ich engagiere mich gerne politisch und mag es, Geschäfte zu vertreten.

Gibt es bereits Kandidaturen für Ihre Nachfolge als Präsidentin von femmes protestantes?
Wir haben eine Ausschreibung gemacht und mit einigen Frauen Kontakt aufgenommen. Die Wahlkommission hat mit zwei von ihnen Gespräche geführt. Für meine Nachfolge schlagen wir alt-Nationalrätin Yvonne Feri (SP) vor. Sie bringt viel Erfahrung mit und ist in mehreren NGOs wie auch als Präsidentin der Gewerkschaft Syna aktiv. Yvonne Feri freut sich, mit femmes protestantes auf ihr früheres Engagement für die Gleichstellung zurückzukommen.

Welchen Bezug zur Kirche hat Yvonne Feri?
Sie ist kirchlich sozialisiert und sehr interessiert, war aber bisher nicht in der Kirche engagiert. Für uns handelt es sich um eine gute Möglichkeit, um uns breiter aufzustellen. Ausserdem kennt Yvonne Feri den Politbetrieb sehr gut. Daher sind wir überzeugt, dass sie sich auch kirchenpolitisch schnell zurechtfindet.

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