Podcast
Zwei Geschwister klären Fragen zu Sex und Religion
Mag Gott keine Homosexuellen? Ist Selbstbefriedigung Sünde? Ist Sex eine Pflicht in der Ehe? Mit diesen Themen setzen sich Christian und Angie Walti – er reformierter Pfarrer, sie Sexualtherapeutin und ausserdem Geschwister – in einem neuen Podcast auseinander.
Grossmünster-Pfarrer Walti ist eigenen Angaben nach in Gesprächen zwar nicht täglich, aber doch immer wieder mit Fragen zu Sexualität konfrontiert. Manche wollen von ihm zum Beispiel wissen, ob er als Pfarrer überhaupt Sex haben dürfe. Seine Schwester Angie erteilt unter anderem Sexualkunde an Schulen. Sie arbeitet als Beraterin auch mit Paaren, die zu ihr kommen und Rat suchen. Auch in ihrer Arbeit stellen sich Fragen, die Sex und Religion betreffen. Das erzählen sich die Geschwister in der ersten Folge ihres Podcasts «Sex & Gott», die den Titel trägt: «Wir klären Mythen auf!».
Christian Walti, weshalb müssen Sie sexuelle Mythen aufklären?
Meine Schwester Angie und ich haben bemerkt, dass uns solche Mythen bei der Arbeit begegnen. Wir haben auch den Eindruck, dass dies eine politische Dimension hat. Religion und Sex werden in der Politik instrumentalisiert. Der christliche Nationalismus in den USA ist eng verbunden mit der heteronormativen Sexualität: Mann und Frau führen eine Ehe und bekommen Kinder. Solche Vorstellungen begegnen uns gegenwärtig auch immer mehr in den Sozialen Netzwerken. Dort werden Geschichten über Religion und Sexualität viel zu oberflächlich erzählt. Wir dagegen wollen Hintergründe ausleuchten und dafür sorgen, dass Freiräume und Selbstbestimmung möglich bleiben.
Die Fragen, mit denen Sie sich im Podcast beschäftigen, erscheinen mir alt und lange beantwortet. Weshalb stellen Sie sie heute noch?
Wir haben Fragen gewählt, die uns bei unserer jeweiligen Arbeit gestellt werden. Es ist schon so, dass sich manche Vorstellungen hartnäckig halten. Auch wenn man einen Mythos geklärt zu haben glaubt, ist er für viele trotzdem noch wahr.
Braucht es Überwindung mit Ihrer Schwester über Sexualität zu sprechen und die Gespräche zu veröffentlichen?
Vor den Aufnahmen hatten wir schon Hemmungen, aber mehr in Bezug darauf, worüber wir sprechen wollen und in welcher Funktion wir es tun. Klar spielt es eine Rolle, dass wir im selben Haushalt mit den gleichen Eltern aufgewachsen sind. Wir waren uns aber auch einig, dass wir keinen öffentlichen Striptease machen wollen und es nicht um unsere eigenen sexuellen Erfahrungen gehen soll. Die Zuhörenden sollen anhand unserer beruflichen Erfahrungen ihren Horizont erweitern können.
Hatten Sie im Verlauf der Podcast-Aufnahmen ein Aha-Erlebnis und wenn ja: Welches?
Das gab es tatsächlich: Angie erzählte, dass Menschen in ihrer Praxis sagen, Selbstbefriedigung sei der Inbegriff der Sünde. Das ist mir noch nie untergekommen in Gesprächen mit Gemeindemitgliedern oder im kirchlichen Umfeld. Es hat mich beeindruckt, auch weil ich überzeugt bin, dass eine solche Ansicht zu grossen persönlichen Problemen führt.
Bislang sind fünf Folgen aufgenommen. Sie werden als «erste Staffel» bezeichnet. Gibt es genügend zu besprechen für eine Fortsetzung?
Das hängt davon ab, welche Reaktionen wir von den Zuhörerinnen und Zuhörern erhalten. Wir hätten auf jeden Fall genügend Gesprächsstoff für weitere Folgen.
Redaktioneller Hinweis: Der Podcast «Sex&Gott» ist bei reflab alle zwei Wochen in einer neuen Folge zu hören. Die erste Folge ist am 3. Februar veröffentlicht worden. Rückmeldungen und neue Fragen kann man beispielsweise auf Instagram platzieren unter @sexundgott. Alternativ erreicht man die Podcaster per Mail auf sexundgott@gmail.com.