Pfarrmangel

Quest-Studium: Erfolg mit Haken

Neue Daten zeigen, wie viele Personen den Quereinstieg durchschnittlich versuchen. Die Zahlen sind stabil – aber es reicht nicht, um den Pfarrmangel auszugleichen.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass am Quest-Studienprogramm mehr Frauen als Männer teilnehmen und die Studierenden meist zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. (Bild: Gaëtan Bally/ Keystone)

Den evangelisch-reformierten Kirchgemeinden der Schweiz gehen die Pfarrerinnen und Pfarrer aus. Viele Stellen sind vakant und die Studienabgänger können den Bedarf nicht decken. In den kommenden Jahren werden überdurchschnittlich viele Pfarrpersonen pensioniert: Der Pfarrmangel wird noch zunehmen.

Diese Situation war absehbar, ist aber nicht leicht zu beheben. Abhilfe verspricht das Studium für Quereinsteiger. An den Universitäten Zürich und Basel heisst es Quest, in Bern Ithaka.

Das Quest-Studienprogramm richtet sich an Akademiker zwischen 30 und 54 Jahren, die einen Masterabschluss in einem anderen Gebiet vorweisen können. Nach einem verkürzten Theologie-Studium und einem einjährigen Lernvikariat in einer Kirchgemeinde sind sie Pfarrerin oder Pfarrer.

Pfarrwahl als Zweitberuf

Der erste Studiengang startete im Herbstsemester 2015, der jüngste im Herbst 2023. Die Arbeitsstelle für die Aus- und Weiterbildung der reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer erhebt jährlich die Daten im Zusammenhang mit dem Quereinsteiger-Studium. Nach dem Beginn des siebten Studiengangs ergibt sich ein Bild, das über eine Momentaufnahme hinausgeht. Wie haben sich die Teilnehmerzahlen des Quest entwickelt und wer absolviert den verkürzten Studiengang?

Es zeigt sich: In der Regel sind die Personen zwischen 40 und 50 Jahre alt, wenn sie das Studium beginnen. Sie machen knapp die Hälfte der Studierenden aus. Die andere Hälfte der Studierenden sind zwischen 30 und 40 oder über 50 Jahre alt. Die weitaus meisten Studierenden leben im Kanton Zürich.

Wer sich für das Quest-Programm anmeldet, hatte zuvor bereits ein Berufsleben. Ein knappes Viertel aller Questler weist einen Abschluss in einer Geisteswissenschaft vor. Wirtschaft, Recht, Naturwissenschaften sowie Musik, Theater und Sport sind ebenfalls häufig vertreten.

Auf tiefem Niveau stabil

In seinem ersten Jahr hat der Quest-Studiengang die meisten Interessierten angezogen. 38 Personen meldeten sich damals an. Die Schulbank gedrückt haben dann effektiv 28 Personen – zwölf Frauen und 16 Männer. Im Herbst 2018 begann der zweite Studiengang. Im Durchschnitt melden sich jeweils rund zehn Personen neu an. Aktuell befinden sich – über alle Stufen gesehen – rund 80 Personen im Quest-Studium. Mittlerweile stellen die Frauen mit 51 Studierenden die Mehrheit.

Thomas Schaufelberger, Leiter der Aus- und Weiterbildung der reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer, sagt: «Die Quest-Studierenden machen einen Drittel aller Theologiestudenten aus, die das Studium abschliessen. Dank Quest konnten wir die Zahlen stabilisieren.»

Keine Schnellbleiche

Zu Beginn des Quest-Studienprogramms ging man davon aus, dass das Vollzeitstudium in drei Jahren zu schaffen sei, das Teilzeitstudium in vier. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass es eher etwas länger dauert: Die meisten Teilnehmer benötigen vier Jahre, eine weitere grössere Gruppe schloss nach fünf Jahren ab. Nur in Ausnahmefällen schafft man es schneller.

Diese Zahlen widerspiegeln, dass das Studium für Quereinsteiger anspruchsvoll ist. Es handelt sich nicht um ein «Theologiestudium light». Doch angesichts der wenigen Studierenden wird über Erleichterungen diskutiert, um mehr Studierende für einen Einstieg zu motivieren. Beispielsweise debattieren Fachgremien darüber, Latein als Pflichtfach im regulären Theologiestudium abzuschaffen (ref.ch berichtete). Entschieden ist allerdings noch nichts.