«Kirchen, geht mit Ideen voran!»
Herr Freimüller, in Deutschland treffen täglich mehrere tausend Flüchtlinge aus der Ukraine ein. Wird das in der Schweiz auch bald so sein?
Das kann niemand so genau sagen. Klar ist, dass eine grosse Anzahl Flüchtender auch in die Schweiz einreisen werden – womöglich in zuvor nicht gekanntem Ausmass. Zum Glück haben wir noch ein bisschen Vorlauf, um uns darauf vorzubereiten.
Sie organisieren mit Ihrer Organisation Campax Unterkünfte für Flüchtlinge. Wie ist die Aktion bis jetzt angelaufen?
Sehr gut. Bis jetzt wurden 40'000 Unterkünfte von Privaten und Firmen oder Organisationen in unser Register eingetragen. Das ist eine Zahl, die mich überwältigt.
Die Schweizerische Flüchtlingshilfe, die Kampagnenorganisation Campax sowie die zuständigen Behörden oder Partnerorganisationen haben eine Plattform aufgeschaltet, auf der Menschen Unterkünfte für Flüchtlinge aus der Ukraine anbieten können. Informationen dazu gibt es unter www.campax.org. (bat)
Welche Anforderungen muss jemand erfüllen, damit sie oder er Schutzbedürftige bei sich aufnehmen kann?
Die Unterbringung muss menschenwürdig sein. Natürlich belegen wir zuerst Angebote, die zum Beispiel genügend Privatsphäre bieten. Wir haben aber auch Menschen, die ihr Sofa anbieten. Niemand weiss, ob wir auch auf solche Unterkünfte zurückgreifen müssen. Die Situation ist einzigartig.
Sind auch Kirchen auf Sie zugekommen?
Bis jetzt hatten wir noch keinen direkten Kontakt zu Kirchenleitungen. Aber die Kirchen könnten einen entscheidenden Beitrag leisten. Schliesslich haben sie viele Immobilien, die sich als Flüchtlingsunterkünfte perfekt eignen könnten.
Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hat Tipps zusammengestellt, nach welchen Kriterien jemand prüfen kann, ob eine Unterkunft geeignet ist:
– Stabiles Umfeld: Stellen Sie sich darauf ein, die Geflüchteten mindestens für drei Monate aufzunehmen.
– Offenheit: Es ist ideal, wenn Sie als Gastgeberin oder Gastgeber auch etwas Zeit einplanen, um den Geflüchteten im Alltag zu helfen und sie zu unterstützen.
– Privatsphäre: Idealerweise bieten Sie ein abschliessbares Zimmer oder zumindest ein abgegrenztes Zimmer an.
– Sanitäreinrichtungen: Zugang zu Badezimmer und Küche/Kochgelegenheit sind wichtig. (bat)
Woran denken Sie dabei?
An Kirchgemeindehäuser, Schulungsräume, grosse Säle. Diese könnte man mithilfe der Armee schnell herrichten. Ich wünschte mir, dass die Synodalrats- und die Kirchenratspräsidenten mit kreativen Ideen vorangehen. Jetzt ist die Zeit gekommen, anzupacken und es ist auch noch etwas Zeit für die Vorbereitung, die müssen wir jetzt nützen.
Welche anderen Unterkünfte kommen sonst noch infrage?
Gut eignen sich auch Hotels, Gasthäuser, gemeindeeigene Unterkünfte, mittelfristig wohl auch Leerwohnungen, die natürlich dann noch möbliert werden müssen.
Wie finden Schutzsuchende und jene, die eine Unterkunft anbieten, zusammen?
Über eine spezielle Vermittlungs-Plattform, die wir eingerichtet haben (siehe Kasten). Dort kann man sich eintragen und auch Fotos hochladen. Zurzeit laufen Platzierungen im Kanton Zürich, Bern und Basel kommen bald hinzu. Es geht im Galopp voran.