Holocaust-Gedenktag

Käßmann appelliert: Nicht schweigen, nicht wegducken!

Auschwitz und den Holocaust nicht vergessen – das ist der rote Faden, der sich durch Stellungnahmen zum 80. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz zieht.

Am 27. Januar 2025 sind 80 Jahre vergangen seit der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz. In diesem Kontext haben prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Politik zu einer zeitgemässen Erinnerungskultur aufgerufen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte, es würden mehr gesellschaftliche und politische Initiativen gebraucht, die Besuche in Auschwitz und an anderen authentischen Orten der NS-Verbrechen unterstützen und ermöglichen. «Wer einmal in Auschwitz war, der versteht, warum die Erinnerung an die Schoah keine Parallelen haben kann.»

Der 27. Januar ist seit 2005 internationaler Holocaust-Gedenktag. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das NS-Vernichtungslager Auschwitz. In dem Lager waren mindestens 1,1 Millionen Männer, Frauen und Kinder ermordet worden.

Der Jahrestag mache bewusst, «dass wir immer weniger Zeitzeugen der Schoah erleben werden und können», betonte Schuster. Die noch lebenden Zeitzeugen sind inzwischen hochbetagt.

Die Theologin Margot Käßmann sagte, angesichts des Erstarkens rechtspopulistischer Parteien sei es nicht möglich, sich beruhigt zurückzulehnen. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärte: «Es wird so gern und locker dahergesagt: 'Nie wieder ist jetzt!' Aber ich denke, das wird gar nicht ernst genug genommen.» Die Lektion müsse sein, nicht zu schweigen und sich nicht wegzuducken.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, lehnte die Forderung, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen als «unsinnig» ab. «Die unfassbaren Verbrechen der NS-Zeit, die industrielle Ermordung von Millionen Menschen gehören zur deutschen Geschichte und prägen unser Verständnis von Demokratie, Freiheit, Recht und Unrecht und damit unsere ganze Gesellschaft bis heute», unterstrich Klein.

Klein nannte jüdisches Leben in Deutschland heute so gefährdet «wie seit der Shoah nicht mehr». Bis vor kurzem sei der Ruf nach einem Schlussstrich hauptsächlich von Rechtsaussen gekommen, doch mittlerweile auch von Linksaussen in Bezug auf den Nahostkonflikt, erklärte Klein. Ein wesentlicher Faktor dagegen sei die Erinnerungskultur. «Zukunft kann nur gestalten, wer seine Vergangenheit kennt», erklärte Klein. (epd/ dst)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema