Pfarrmangel

Interesse am Theologiestudium steigt

2025 begannen mehr Personen ein Theologiestudium als in den Vorjahren. Das liegt auch an einem einfacheren Zugang für Quereinsteigende.
Seit 2024 ist der Quereinstieg ins Pfarramt auch für Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen möglich. (Foto: Gaëtan Bally)

Nach einer Baisse in den letzten Jahren starten wieder mehr Personen ein Theologiestudium, das später zum Pfarramt berechtigt. Waren es 2024 noch 37 Studierende, sind es 2025 deren 64. In den letzten zehn Jahren lag der Durchschnitt bei rund 50 Personen. Nur 2020 (65 Eintritte) war die Nachfrage höher als 2025. Der Grossteil studiert an der Universität Zürich, gefolgt von Bern und Basel.

«Wir haben den Knick nach oben herbeigesehnt», sagt Thomas Schaufelberger, Leiter Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer (A+W), auf Anfrage von ref.ch. In einem kleinen Studiengang wie Theologie würden die Zahlen zwar oft schwanken, aber er sehe positive Faktoren, die dazu beigetragen haben könnten. Unter anderem sieht er darin eine Bestätigung für die Nachwuchsförderung.

Der Anstieg in den Zahlen hängt mit einem grösseren Interesse am verkürzten Ausbildungsweg für Quereinsteigende (Quest) sowie dem Intensivstudium Theologie für Akademikerinnen und Akademiker (Ithaka) zusammen. 2025 machen sie über einen Viertel aller Studiumseintritte aus. Vor zehn Jahren ins Leben gerufen, sind seit 2024 auch Absolventeninnen und Absolventen von Fachhochschulen für Quest zugelassen. Einzige Bedingung: Sie müssen in einem Essay ihre Reflexionsfähigkeit unter Beweis stellen.

«Da erschliesst sich uns eine ganz neue Gruppe an Menschen», sagt Schaufelberger. So gebe es eine grosse Affinität zwischen Lehr- und Pfarrpersonen. Betrachtet man allein die Zahlen des kirchlichen Quest-Aufnahmeverfahrens haben zuletzt 17 Personen den Zugang erhalten. «Das ist Rekord», sagt Schaufelberger. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag jeweils bei acht bis zehn Personen pro Jahr.

Das korreliert laut Schaufelberger auch mit dem Interesse am Plan P. Diese geplante Reform will über 55-jährigen Akademikern nach einer einjährigen Ausbildung befristete Stellvertretungen übernehmen (ref.ch berichtete). «Es melden sich immer wieder Interessierte bei mir, mittlerweile zählt die Liste 80 Personen.» Dieser Notfallplan befindet sich aktuell in der Vernehmlassung.

Veränderung spürbar

Schaufelberger beobachtet derzeit eine starke Veränderung des Pfarrberufs. Es entstünden neue Formen kirchlicher Arbeit. «Für viele, die nachkommen, ist der Pfarrberuf spannend, wenn er Raum zur Gestaltung bietet, um in Kirche und Gesellschaft etwas zu bewegen.»

Aufgrund des Pfarrmangels müssten sich die Gemeinden in einen Wettbewerb begeben. Wer das bisherige Programm ohne Gedanken zu gesellschaftlichen Veränderungen weiterziehe, sei für viele nicht attraktiv. «Die neuen Pfarrpersonen wollen spüren, dass sie einen Gestaltungsspielraum erhalten.» Das führe zu einer Dynamisierung und hoffentlich zu einer Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung.

Praxisnaher studieren ab 2027

Ob sich die Zahlen in den nächsten Jahren weiter nach oben bewegen, wird sich weisen. Klar ist: Per 2027 reformierten die Fakultäten das klassische Theologiestudium, nach dem Bachelor dürfen bereits pfarramtliche Tätigkeiten übernommen werden (ref.ch berichtete). «Viele wollen gestalten», so Schaufelberger. Von jüngeren Studienabbrechern habe man oft gehört, dass fünf bis sechs Jahre ohne Praxis zu lange seien. Als möglicher Nebeneffekt könnten diese jüngeren theologischen Mitarbeitenden auch zur Nachwuchsförderung beitragen. Denn Untersuchungen zeigen, dass ein Entscheid für ein Theologiestudium eigentlich immer auf einem persönlichen Kontakt mit Pfarrpersonen basiert.

Das könnte wiederum zu einer Veränderung der verstaubten Reputation des Pfarrberufs führen. Untersuchungen bei Jugendlichen zeigten nämlich, dass viele eine sinnvolle Arbeit mit Menschen suchen und mit ihrem Beruf einen Unterschied in der Gesellschaft machen möchten, so Schaufelberger. «Bei der Wahl ist das Theologiestudium dann aber weit abgeschlagen.»

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