Drohungen gegen Lea Blattner

EVP Zürich verurteilt Hass und widerspricht Mutterpartei

Nach Hassnachrichten und Morddrohungen gegen die lesbische Co-Präsidentin der Jungen EVP bezieht die EVP des Kantons Zürich deutlich Stellung. Menschenwürde gelte unabhängig von der sexuellen Orientierung und sei «unverhandelbar». Damit setzt die Sektion einen Kontrapunkt zur Kommunikation der EVP Schweiz.
Nach Hassnachrichten und Morddrohungen gegen die Co-Präsidentin der Jungen EVP äussert sich die EVP Kanton Zürich in einer Mitteilung deutlich: «Würde, Respekt und Nächstenliebe gelten allen Menschen.»
(Foto: Gaëtan Bally/ Keystone)

Es sind deutliche Worte, die die EVP Kanton Zürich in einer Mitteilung wählt. Die Hassnachrichten und Morddrohungen gegen die Co-Präsidentin der Jungen EVP, Lea Blattner, träfen nicht nur eine einzelne Person, sondern «greifen den grundlegenden Respekt an, der das Zusammenleben in unserer Gesellschaft möglich macht».

Für die Zürcher EVP ist klar: «Hier braucht es eine unmissverständliche Haltung.» Menschenwürde gelte «selbstverständlich unabhängig der sexuellen Orientierung» und sei «unverhandelbar».

Kontrapunkt zur EVP Schweiz

Die Mitteilung der Sektion, die dem liberaleren Parteiflügel angehört, steht im Kontrast zur Kommunikation der EVP Schweiz. Darin war unter anderem von «theologischen Meinungsverschiedenheiten» die Rede, die nicht zu Hass führen dürften.

Die Zürcher treten dem entschieden entgegen. «Gerade aus unserem christlichen Werteverständnis ist unsere Haltung klar: Würde, Respekt und Nächstenliebe gelten allen Menschen.» Anfeindungen, Ausgrenzungen oder Herabwürdigung würden «diesem Fundament» widersprechen. Die Einrichtung einer Meldestelle für Betroffene innerhalb der EVP begrüsse man ausdrücklich.

Nach Stellungnahme gefragt

Der Zeitpunkt der Kommunikation der Zürcher Sektion überrascht. Die Hassnachrichten gegen Blattner waren vor zwei Monaten publik geworden, zuletzt kommunizierte die EVP Schweiz Anfang Februar über die geplante Schaffung der Meldestelle.

Gergey Rüegg, Geschäftsführer der EVP Kanton Zürich, sagt auf Anfrage von ref.ch: «Wir haben uns lange zurückgehalten, weil für uns die Akzeptanz von Personen mit anderer sexueller Orientierung selbstverständlich ist.»

Das habe man nicht reflektieren müssen. «Wir leben das. Also müssen wir das nicht mitteilen, dachten wir», sagt Rüegg. Untermauert wird diese Aussage aktuell durch die Zürcher Politik: Am vergangenen Montag war der homosexuelle Pfarrer Renato Pfeffer für die EVP in den Zürcher Kantonsrat nachgerückt.

Dennoch sei die Zürcher Parteileitung immer wieder gefragt worden, so Rüegg, warum man nicht öffentlich Stellung beziehe. «Wir kamen deshalb zum Schluss, unser Selbstverständnis festhalten und aufzeigen zu wollen.»

Die Wahlen abgewartet

Um die jetzige Kommunikation nicht mit den Zürcher Wahlen zu vermischen, habe man diese abgewartet. «Ansonsten hätte unser Statement als Rechtfertigung interpretiert werden können, um zusätzliche Stimmen zu gewinnen», so Rüegg. Bei den Wahlen in den acht Stadtparlamenten des Kantons schrumpfte die Anzahl der gesamten EVP-Sitze von 20 auf 11. In der Stadt Zürich ist man nach dem Verpassen der nötigen Hürde von fünf Prozent (Quorum) nicht mehr im Parlament vertreten. Daran änderte auch eine Nachzählung am Freitag nichts.

Angesichts dessen könnte man das Statement zur Menschenwürde auch als Versuch zur Schadensbegrenzung interpretieren. Rüegg widerspricht. «Es geht uns nicht um Politik, sondern um eine grundsätzliche Einstellung.» Man habe mit der Mitteilung auch nach innen kommunizieren wollen. Das Schreiben werde auf der internen Plattform publiziert. «Damit alle wissen, wie wir von der Leitung dazu stehen», sagt Rüegg.

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