Abstimmungssonntag

Zwei Drittel sagen Ja zur «Ehe für alle»

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in der Schweiz künftig heiraten. Das hat das Stimmvolk am Sonntag entschieden.

Homosexuelle dürfen sich zivil und kirchlich trauen lassen. (Bild: Keystone/ Michael Buholzer)

Was für die einen «überfällig» war, sahen die anderen als «gefährlich» an. Mit einer knappen Zweidrittelsmehrheit (rund 64 Prozent) haben die Stimmberechtigten am Sonntag Ja gesagt zur «Ehe für alle». Das Schweizerische Zivilgesetzbuch wird angepasst, gleichgeschlechtliche Paare dürfen sich auf dem Zivilstandsamt trauen lassen. Zudem erhalten lesbische Paare den Zugang zur Samenspende.

Schweiz bildet Schlusslicht

Insbesondere diese Möglichkeit in der Fortpflanzungsmedizin ist es, die im Vorfeld der Abstimmung Gegnerinnen der Vorlage auf den Plan gerufen hatte. Vor allem evangelikale und konservative Kreise vertraten die Ansicht, die Ehe müsse als Verbindung zwischen Mann und Frau geschützt werden, und nur aus dieser könnten Kinder hervorgehen. Ein überparteiliches Komitee hatte das Referendum ergriffen, das den Volksentscheid nötig machte.

Zuvor hatten sich Bundesrat und Parlament deutlich für die «Ehe für alle» ausgesprochen. Vor bald zehn Jahren hatte die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy eine parlamentarische Initiative eingereicht und den Stein damit ins Rollen gebracht. Die Schweiz ist nun eines der letzten Länder in Europa, in dem lesbische oder schwule Paare heiraten dürfen (ref.ch berichtete).

Kirchen am Ball

Mit dem «Ja» wären neu in den reformierten Kirchen auch Trauungen möglich. Wie rasch diese tatsächlich durchgeführt werden, bleibt abzuwarten. In einigen Kantonen könnten gleichgeschlechtliche Paare wohl rascher heiraten als andernorts. Die Kantonalkirchen legen jedenfalls ein unterschiedliches Tempo vor.

Die zweite Vorlage, die 99 Prozent-Initiative der Jungsozialisten (Juso), ist am Sonntag chancenlos geblieben. Nur rund 35 Prozent der Stimmenden befürworteten das Anliegen; eine Mobilisierung über die eigenen linken Wählerkreise hinaus gelang den Juso nicht. Einkommen werden damit künftig nicht höher besteuert und das Vermögen wird nicht stärker umverteilt.