Abstimmung

So rasch könnten gleichgeschlechtliche Paare in reformierten Kirchen heiraten

Der Trend in den reformierten Kirchen ist eindeutig: Sagt das Stimmvolk am Sonntag Ja zur «Ehe für alle», sollen auch kirchliche Trauungen bald möglich sein. Bei der Umsetzung legen die Kantonalkirchen aber ein unterschiedliches Tempo vor. Eine Übersicht über den Stand in den einzelnen Kantonen.

  • Karte 1

Vor der Abstimmung spricht sich rund die Hälfte der Kantonalkirchen explizit für die «Ehe für alle» aus (Karte 1). Andere Landeskirchen fassen keine Parole, unter anderem mit dem Verweis, die Kirche nehme zu politischen Abstimmungen keine Stellung. Explizit gegen die Vorlage ist keine der insgesamt 24 reformierten Mitgliedkirchen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Das geht aus einer Umfrage von ref.ch hervor.

Die reformierten Kirchen und die «Ehe für alle»

Am 5. November 2019 sprachen sich die Abgeordneten der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS, ehemals: Kirchenbund) mit 49 Ja- zu 11 Nein-Stimmen deutlich für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf zivilrechtlicher Ebene aus. Gleichzeitig empfahl die EKS ihren Mitgliedkirchen, die kirchliche Trauung allen zivilrechtlich verheirateten Paaren zugänglich zu machen.

Zuvor hatten sich bereits verschiedene Landeskirchen im Rahmen der Vernehmlassung zur parlamentarischen Initiative für die Vorlage stark gemacht. So schrieb der Zürcher Kirchenrat in einer Stellungnahme im Sommer 2019, es sei an der Zeit, die Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren aufzuheben. Auch die Exekutive der Aargauer Kirche begrüsste sowohl die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als auch deren kirchliche Trauung (September 2019).

Einig sind sich EKS und die Kantonalkirchen darin, dass die Gewissensfreiheit für Pfarrpersonen bei der Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren gewahrt werden soll. (no)

Längst Realität sind in den meisten Landeskirchen Segnungsfeiern für homosexuelle Paare in eingetragener Partnerschaft (Karte 2). 1995 erlaubte der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn in einem Erlass Fürbittengottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. Die Reformierte Kirche Kanton Luzern war die erste Landeskirche, die die Segnung für homosexuelle Paare explizit in der Kirchenordnung festhielt und damit offiziell einführte. Noch in den 90er Jahren folgten weitere Kantonalkirchen, darunter Aargau, St. Gallen, Zürich und Graubünden.

Bei der Umsetzung der kirchlichen Trauung legen die Kantonalkirchen ein unterschiedliches Tempo vor (Karte 3). Während homosexuelle Paare bei einem Ja am 26. September in einigen Kantonen schon unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes kirchlich heiraten dürften, ist diese Frage in anderen Kantonen noch nicht entschieden. So wären in einigen Landeskirchen erst noch Anpassungen der Kirchenordnung erforderlich. In den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn zum Beispiel müsste die Synode in zwei Lesungen über eine solche Anpassung befinden. Kirchliche Trauungen wären deshalb nicht vor dem 1. Juli 2023 umsetzbar.