Corona-Shutdown fordert die Kirchen heraus

In der Schweiz dürfen aufgrund der Corona-Notlage bis zum 19. April keine Gottesdienste und kirchlichen Veranstaltungen mehr stattfinden. Landeskirchen und Kirchgemeinden suchen nach Alternativen zum gewohnten kirchlichen Leben.


Seit Mitternacht steht das öffentliche Leben in der Schweiz still. Am 16. März hat der Bundesrat angesichts der raschen Ausbreitung des Coronavirus‘ die «ausserordentliche Lage» erklärt und verschärfte Massnahmen ergriffen. Unter anderem sollen Geschäfte, Restaurants, Kinos, Museen und Sportbetriebe bis am 19. April schweizweit geschlossen bleiben. Auch öffentliche und private Veranstaltungen sind verboten.

Empfindlich eingeschränkt wird durch den Notstand auch das kirchliche Leben. Vom Verbot betroffen sind Gottesdienste, Abendmahlsfeiern, Taufen, Trauungen, Konfirmationen und der kirchliche Religionsunterricht. Untersagt sind zudem Kirchgemeindeversammlungen sowie weitere Angebote wie Konzerte, Jugendgruppen oder Konfirmationslager. Eine Ausnahme sieht der Bundesrat lediglich für Beerdigungen vor: Sie dürfen im engen Familienkreis stattfinden. Ebenso sollen die Kirchen für die persönliche Andacht weiterhin offen stehen.

Live-Streams und spirituelle Nachrichten

Die reformierten Landeskirchen haben die Kirchgemeinden inzwischen über die Massnahmen breit informiert. Das Gottesdienstverbot bedeute nicht, dass Kirche nicht stattfindet, schreibt der Synodalrat der Reformierten Kirche Kanton Luzern in einer Mitteilung an die Pfarrpersonen und Kirchgemeinden. In der Ausnahmesituation seien jedoch innovative Lösungen gefragt. «Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Kirche auch in dieser besonderen Notlage für die Menschen da ist.»

In der Krisensituation appellieren die Landeskirchen an die Kirchgemeinden, Alternativen zum kirchlichen Betrieb zu finden. So stellen die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn den Kirchgemeinden Anleitungen zur Erstellung von Live-Streams von Gottesdiensten zur Verfügung. Ebenso werden Jugendarbeiterinnen und Sozialdiakone aufgefordert, den Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und ihren Familien aufrechtzuerhalten. Dies sei zum Beispiel durch das Versenden von Nachrichten mit «spirituellen oder kreativen bildenden Impulsen» möglich, heisst es in einer Hilfestellung der Berner Kirche für die Kirchgemeinden.

Soziales Engagement statt Religionsunterricht

Herausgefordert sieht die Kirchgemeinden durch die Krise auch Peter Weskamp, Leiter des kirchlichen Medienzentrums Relimedia und Kirchgemeindepräsident im Zürcherischen Pfungen. Zusammen mit der politischen Gemeinde habe die Kirchgemeinde einen sozialen Dienst ins Leben gerufen. «Unsere Konfirmanden besorgen dabei zum Beispiel Einkäufe für alte Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen können. Das ist ein angemessener Ersatz für den ausgefallenen Religionsunterricht.»

Auch in der Bündner Landeskirche ist man bemüht, mit der Gemeinde in Berührung zu bleiben. In einem Schreiben an Pfarrpersonen und Sozialdiakoninnen fordert der Kirchenrat dazu auf, den Kontakt zu Jugendlichen, Kindern und Familien auch in der Ausnahmesituation aufrechtzuerhalten. Zudem arbeite die Landeskirche mit den Schulbehörden zusammen, Formen des Fernunterrichts für den Religionsunterricht zu prüfen. (no)