Kirchliches Leben wegen Corona zusehends eingeschränkt

Bereits sechs Kantone haben wegen der Corona-Pandemie die Notlage ausgerufen. Die neue Situation erfordert auch von den Kirchen drastische Massnahmen. Der Betrieb in den reformierten Kirchgemeinden wird auf ein Minimum heruntergefahren.


Der Bundesrat hat am 13. März die Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter verschärft. Unter anderem bleiben Schulen bis am 4. April schweizweit geschlossen. Noch drastischere Vorkehrungen wurden inzwischen in den Kantonen Tessin, Basel-Landschaft, Jura, Neuenburg, Graubünden und Genf getroffen. Sämtliche Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Güter verkaufen, sollen bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Zudem stellen Unterhaltungsbetriebe wie Museen, Sporthallen und Kinos ihren Betrieb ein.

Einschneidende Folgen haben die Massnahmen auch für das kirchliche Leben. In der reformierten Kirche Basel-Landschaft will man lediglich «unverzichtbare Dienstleistungen» aufrechterhalten, wie es in einer Mitteilung vom 15. März heisst. Dazu gehören nach Angaben der Kirche insbesondere Sonntagsgottesdienste, Beerdigungen sowie das seelsorgerliche Angebot. In der Mitteilung fordert der Kirchenrat dazu auf, Taufen und Hochzeiten zu verschieben. Ebenso entfallen der Konf- und Religionsunterricht, Abendmahlsfeiern sowie Spezialgottesdienste.

In der Mitteilung zeigt der Kirchenrat Verständnis für die Massnahmen des Regierungsrates. Die Kirchen seien aufgefordert, «in christlicher Verbundenheit verantwortungsvoll und besonnen mit dem Krankheitsrisiko und der sehr herausfordernden Situation umzugehen». Insbesondere gelte es, Kirchenmitglieder und kirchliche Mitarbeitende vor einer Ansteckung zu schützen und die Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern.

Lockdown im Tessin

Praktisch ganz zum Erliegen gekommen ist das kirchliche Leben in der Evangelisch-reformierten Kirche im Tessin. In einem Schreiben vom 11. März empfiehlt der Synodalrat den Kirchgemeinden, Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen bis auf Weiteres ganz auszusetzen. Insbesondere Pfarrpersonen seien aufgrund ihrer sozialen Kontakte gefährdet und sollten die Arbeit bei ersten Krankheitssymptomen niederlegen.

In dem Schreiben fordert der Synodalrat die Gemeinden weiter dazu auf, «neue Kommunikationswege und Strategien zu finden, um das Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit bei älteren Menschen zu vermeiden».

Aufruf zur Solidarität

In der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden wandte sich Dekanin Cornelia Camichel Bromeis in einem Aufruf an die Kirchenmitglieder. Es gelte, die von Bund und Kantonen erlassenen Massnahmen zu befolgen. Zugleich seien die Menschen aufgefordert, Solidarität zu leben. «Als Christinnen und Christen haben wir Ressourcen, dem Geschehen nicht alternativlos gegenüberzustehen. Wir müssen nicht der Ohnmacht Raum geben.» So seien bereits mehrere unterstützende Angebote wie gegenseitige Kinderbetreuungsdienste oder Einkaufsdienste für gefährdete Personen ins Leben gerufen worden. «Werden, seien, bleiben wir solidarisch», so Camichel Bromeis.

Auch in der Bündner Landeskirche dürfen keine Konfirmationen, Trauungen und Taufen mehr durchgeführt werden. Anlässe und Gottesdienste seien abgesagt worden oder würden nur noch im «kleinsten Rahmen» abgehalten, heisst es in einer Mitteilung. Die kantonale Notlage gilt ab Montagmittag. (no)