«Es kommt schon gut!»

Die Lage rund um das Corona-Virus spitzt sich weiter zu. Spitalseelsorgerin Susanna Meyer Kunz, Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist und Zen-Lehrer Hans-Walter Hoppensack finden beruhigende Worte zur aktuellen Krise.

In der Spitalseelsorge des Universitätsspitals Zürich ist Corona nicht nur für die Schwerkranken ein Thema. (Bild: KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten steigt auch hierzulande weiter an. Zwar ist das Virus, das die Krankheit Covid-19 auslöst, für die meisten ungefährlich. Ältere Menschen und jene mit einer Vorerkrankung gehören allerdings zu einer Risikogruppe, bei der die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen kann.

Dass das Thema die Menschen beschäftigt, merkt zurzeit Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster in Zürich. «Das Thema liegt fast jedem Gespräch zugrunde. Ob am Spitalbett oder auf der Strasse», sagt er. Er stellt fest, dass es beim Umgang mit dem Virus drei Kategorien von Personen gibt: Die, die tatsächlich Angst davor haben. Jene, die mehr Angst vor der Angst haben und andere, die der Sache mit Ambivalenz begegnen. Neu sei seit einigen Tagen, dass vermehrt selbstständige Unternehmer auf ihn zukämen, die existenzielle Nöte plagen. «Sie sagen mir, dass sie nicht wissen, wie lange sie die Firma so noch über Wasser halten können.»

Sigrist nehme alle diese Sorgen ernst. Und reagiere nicht anders, als in anderen Seelsorgegesprächen. Sein Leitsatz dabei: «Es kommt schon gut!» Die Gewissheit, dass es «schon gut komme», leite er aus seiner Lebenserfahrung und seinem Glauben ab. Die Kirche müsse jetzt hinstehen und «die Realität nicht ausblenden», «nahe bei den Leuten sein» und «stellvertretend Zuversicht ausstrahlen». Das sei schon immer der Auftrag der Kirche gewesen. 

Ruhige Stimmung

Gesprächsbedarf zur Corona-Lage spürt auch Susanna Meyer Kunz, Leiterin der reformierten Seelsorge am Universitätsspital in Zürich. «Klar ist insbesondere auch bei Schwerkranken Corona ein Thema. Aber sie gehen damit sehr gelassen um», sagt Meyer Kunz. Denn diese Menschen hätten sich schon mit Fragen zur Endlichkeit des Lebens intensiv auseinandergesetzt. Es seien eher die Gesunden, die dem Thema unter anderem mit Panik begegnen würden. Oder dem Virus auch ignorant gegenüberstehen.

Die Stimmung im Spital beschreibt Meyer Kunz als ruhig.«Es ist schon einiges los, das Personal muss zurzeit geschult werden, wie es mit Corona-Patienten umgehen soll», sagt sie. Auch sei der grosse Gottesdienst zum Tag der Kranken abgesagt, ein anderer mit maximal 25 Personen und Vorsichtsmassnahmen sei bewilligt worden. «Es war eindrücklich, wie viele Schwerkranke daran teilgenommen haben.» Dies habe gezeigt, wie wichtig es sei, dass die Kirche in solchen Zeiten präsent ist.

Menschen, die beunruhigt sind, rät die Spitalseelsorgerin, dass sie sich mit anderen über ihre Sorgen austauschen. Risikogruppen sollen den Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit folgen, sich aber nicht abschotten. «Anstatt sich in einer grossen Gruppe zu treffen, lieber in kleinerem Rahmen draussen auf einem Spaziergang.»

Tipp vom Zen-Lehrer

Wie man nicht nur mit einer christlichen, sondern auch mit einer fernöstlichen Haltung der Corona-Krise begegnen kann, weiss der Zen-Lehrer und reformierte Pfarrer Hans-Walter Hoppensack. «Ich habe Vertrauen, dass wir das in der Schweiz hinkriegen werden», sagt er. Auf die Frage, was man machen kann, wenn einem beim Gedanken an Corona eine innere Unruhe plagt, sagt er: «Tief durchatmen und sich fragen: Was ist die Wirklichkeit und was bilde ich mir nur in meinem Kopf ein?» (bat)