Freundschaft zwischen Weltstar und Organist

Weltstar singt für Kriegsflüchtlinge

Der Popmusiker Chris de Burgh pflegt eine Freundschaft zum Organisten der reformierten Kirche in Küsnacht. Eine Geschichte über Musik, eine Leihmutter und einen dreissig Kilogramm schweren Husky.

Christer Løvold (links) und Chris de Burgh sind in der reformierten Kirche in Küsnacht zusammen aufgetreten, um Geld für Flüchtlinge aus der Ukraine zu sammeln. (Bild: Foto Safarts.com)

In den Dörfern am Zürichsee ist man sich seine Weltstars gewohnt. Roger Federer baut bei Rapperswil ein Anwesen, ex-Formel 1-Pilot Nick Heidfeld lebt in Stäfa, Udo Jürgens besass eine Villa in Meilen und Tina Turner war die berühmteste Einwohnerin von Küsnacht. Kurz vor Weihnachten war nun der irische Weltstar und Musiker Chris de Burgh hier. Er gab in der reformierten Kirche von Küsnacht ein Benefizkonzert für ukrainische Flüchtlinge, zusammen mit den Swiss Gospel Singers unter der Leitung von Christer Løvold. Dieser ist auch Organist der reformierten Kirche Küsnacht. Die beiden Musiker verbindet seit der Pandemie eine Freundschaft.

Die Tickets für das Konzert in der Küsnachter Kirche waren innert kurzer Zeit ausverkauft gewesen. Schon lange vor der Türöffnung wartete das Publikum auf dem Kirchenvorplatz. Derweil wärmten sich Chor und Musiker in der Kirche auf, indem sie «Lady in Red» spielten, den grössten Hit von Chris de Burgh. Zwischen Probe und Konzert nahmen sich Chorleiter Løvold und der 75-jährige de Burgh Zeit für ein Interview.

Chris de Burgh, Sie treten nicht häufig in einer Dorfkirche zusammen mit einem Laienchor auf. Sind Sie nervös?
De Burgh: Nein, es wird grossartig werden. Es ist toll, mit diesem Chor zu singen. Und für das musikalische Talent dieses Mannes hier neben mir habe ich den grössten Respekt.

Christer Løvold, das Kompliment eines Weltstars: Was sagen Sie dazu?
Løvold: Die Arbeit mit einem Laienchor hat andere Herausforderungen als die mit einem Profi. Klappt alles, ist es umso berührender und die Freude an der Musik wird noch besser transportiert. 

Wie kam die Verbindung zu Chris de Burgh zustande?
Løvold: Durch unser erstes Album. Die Swiss Gospel Singers haben es während der Pandemie aufgenommen, als Chöre gar nicht zusammen singen durften.

Das müssen Sie erklären.
Løvold: Wir nahmen in der reformierten Kirche hier in Küsnacht auf, in der sich jeweils nur acht bis zwölf Personen gleichzeitig und voneinander getrennt aufhielten. Über eine lange Zeit hin nahmen wir die verschiedenen Chorregister einzeln auf. Am Ende setzten wir die vielen Aufnahmen zusammen und es klang wie ein grosser Chor, der gemeinsam singt.

«Die Frau schickte ihm tatsächlich das Album.»
Christer Løvold

Und wie kam Chris de Burgh ins Spiel?
Løvold: Jemand in unserem Chor ist ein grosser Fan von ihm. Die Frau schickte ihm tatsächlich das Album. Ich dachte: «Oh mein Gott, was wird Chris de Burgh wohl davon halten?»

De Burgh: Mir hat es gefallen. Ich bin seit 50 Jahren im Musikbusiness und schon überall auf der Welt aufgetreten: Mit Orchestern, einer Band oder solo. Aber mit einem Gospelchor hatte ich es noch nie versucht. Das hat mich gereizt und ich kann nur sagen, es ist schön, mit diesen Menschen zu arbeiten. Sie singen sehr, sehr gut. Aber es heisst auch: Ein Chor ist nur so gut wie der Chorleiter. Christer ist wirklich gut: Er sorgt nicht nur für den Gleichklang, sondern holt aus dem Chor auch noch einen authentischen Sound heraus.

Løvold: Kurz darauf bist du mit uns aufgetreten, Chris, zum ersten Mal 2021. Und dann hast du vorgeschlagen, ein Weihnachtsalbum aufzunehmen.

De Burgh: Diese Idee hatten wir beide. Ich hatte ein paar Weihnachtslieder, aber noch nie ein ganzes Album damit aufgenommen.

Løvold: Nun haben wir gemeinsam Weihnachtslieder und -texte aus sieben Jahrhunderten eingespielt und ich bin sehr stolz auf die Platte.

«Es war nicht einfach, sie in Sicherheit zu bringen.»
Chris de Burgh

Ein Teil der Einnahmen des Konzerts in Küsnacht geht an Flüchtlinge aus der Ukraine. Kranke Kinder und ihre Eltern, die in der Gemeinde leben. Haben Sie einen Bezug zur Ukraine?
De Burgh: Einen grossen sogar. Einerseits hatte ich viele Auftritte in der Ukraine. Andererseits ist meine Enkelin dort geboren. Es ist eine lange Geschichte, nur so viel: Meine Tochter hatte 15 Fehlgeburten und die Ärzte sagten, sie würde nie eigene Kinder bekommen können. Schliesslich ging sie mit ihrem Mann vor dem Krieg nach Kiew und eine nette junge Frau aus Cherson liess sich eine befruchtete Eizelle einsetzen. Sie brachte meine Enkelin zur Welt, die nun vier Jahre alt ist. Bald darauf wurde meine Tochter schwanger und gebar eineiige Zwillinge. Sie sehen sich so ähnlich, dass meine Tochter ihnen die Zehennägel verschiedenfarbig anmalt, um sie auseinander halten zu können.

Wissen Sie, wie es der Leihmutter geht seit dem Angriff Russlands?
De Burgh: Es geht ihr gut. Cherson war die erste Stadt, die damals eingenommen wurde. Wir haben die Leihmutter, vier weitere Personen und einen 30 Kilogramm schweren Husky zu uns nach Irland geholt. Es war nicht einfach, sie in Sicherheit zu bringen. Aber seit zwei Jahren leben sie in einer eigenen Wohnung.

Noch vor einer nächsten Frage tippt Chris de Burgh auf seine Uhr: Das Konzert beginne in zehn Minuten. Nach einem Leben im Showgeschäft hat er ein Gespür dafür. Er verabschiedet sich und lässt sich durch Hinteraus- und Nebeneingänge in die Kirche führen. Derweil nimmt Christer Løvold den Haupteingang, um vor dem Auftritt noch ein paar Bekannte begrüssen zu können.