«Kirchen müssen bei der Suche nach Frieden am Ball bleiben»
Die Kirchen müssen nach Ansicht von Heinrich Bedford-Strohm bei der Suche nach Frieden in der Ukraine «am Ball bleiben». Bedford-Strohm ist als Vorsitzender des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) mit einer Delegation derzeit in Kiew. Anlässlich dieses Besuchs sagte er, man sei mit der Frage in die ukrainische Hauptstadt gekommen, wann «diese sinnlose Gewalt, die so viel Leiden schafft» endlich aufhöre.
«Schnelle Lösungen zeichnen sich nicht ab», sagte der bayerische evangelischen Landesbischof weiter. Er zitiert darin auch die Herrnhuter Tageslosung für den 12. Mai aus Jeremias 31: «Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasser, Bächen führen auf ebenem Weg, auf dem sie nicht straucheln, denn ich bin Israels Vater, und er ist mein erstgeborener Sohn.» Die Kirchen müssten sich «immer wieder von der Hoffnung inspirieren lassen», die dieser Vers zum Ausdruck bringe, betonte er.
Die Delegation des Weltkirchenrates habe «mit vielen Menschen hier gesprochen», so der bayerische Landesbischof weiter. «Ein Priester der ukrainisch-orthodoxen Kirche hat mir im Höhlenkloster erzählt, wie die russischen Truppen in den ersten Wochen nach der Invasion seine Kirche in einem Dorf ausserhalb von Kiew beschossen und zerstört haben.» Auf einer Mauer am Eingang zum Höhlenkloster seien Bilder von Menschen zu sehen, die im Krieg gestorben seien, erläuterte Bedford-Strohm.
Zerstrittene orthodoxe Kirchen gesprächsbereit
Die ÖRK-Delegation besucht seit Mittwoch und bis zu diesem Freitag die Ukraine, um die Beziehungen zu Kirchen und religiösen Organisationen zu erneuern. Bei dem Besuch sollen die Möglichkeiten gemeinsamer Bemühungen um einen gerechten Frieden in der Ukraine erkundet werden.
Anlässlich dieses Besuches hätten die beiden miteinander in Konflikt geratenen orthodoxen Kirchen in der Ukraine – die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) sowie die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) ausserdem Gesprächsbereitschaft signalisiert, wie der ÖRK mitteilte.
Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I.,
hatte der OKU Anfang 2019 die sogenannte Autokephalie zuerkannt, also
die kirchliche Unabhängigkeit. Die Anerkennung hat einen bis heute
nicht gelösten Konflikt in der orthodoxen Weltkirche ausgelöst. Der
russische Überfall auf die Ukraine hat diesen Konflikt zusätzlich
verschärft. Die UOK war zu diesem Zeitpunkt dem Moskauer Patriarchen
unterstellt, hat sich aber mittlerweile von Moskau losgesagt. (epd/ eba)