Abstimmungskampf

Bürgerliche kritisieren Berner Kirche wegen Kovi

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn haben sich klar für die Anliegen der Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) ausgesprochen. Daran stossen sich nun 50 bürgerliche Grossrätinnen und Grossräte. In einem offenen Brief fordern sie die Kirchen zu mehr Zurückhaltung in politischen Fragen auf.

Wie politisch darf Kirche sein? Knapp einen Monat vor der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) bewegt diese Frage weiter die Gemüter. 50 Berner Grossräte haben nun in einem offenen Brief an den Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn ihrem Unmut über das kirchliche Engagement Luft gemacht. Dies berichtete die Schweizerische Nachrichtenagentur «SDA» am 2. November.

In dem Schreiben vom 31. Oktober kritisieren die Politikerinnen, dass die Kirchen den «Weg des richtigen Masses» zunehmend verlassen würden. So mischten sich die Berner Reformierten immer mehr in das politische Alltagsgeschäft ein und ergriffen eindeutig Partei für rot-grüne Anliegen. Zwar gebe es Momente, in denen Kirche politisch sein müsse. Sie verliere aber ihre Kraft, wenn sie sich «gefühlt zu jeder zweiten Sachabstimmung politisch und dazu noch einseitig» äussere, heisst es weiter. Unterzeichnet wurde der Brief von Grossratsmitgliedern aus BDP, FDP und SVP.

Parteinahme mit der Bibel begründet

Die Unterzeichnenden geben zudem zu bedenken, dass gerade in den ländlichen Gebieten des Kantons Bern viele Kirchenmitglieder bürgerlich wählten. Dort sei der Anteil der Kirchgänger und der Kirchenmitglieder zugleich höher als in den städtischen Gebieten.

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn haben sich Anfang Oktober für die Anliegen der Kovi ausgesprochen. Diese schütze die Rechte benachteiligter Menschen in den Ländern des Südens. So enthalte auch die Bibel durchgehend eine klare Parteinahme für die Armen. Vor rund zwei Wochen hissten zudem rund zwanzig Kirchgemeinden und Pfarreien in der Region Bern an ihren Kirchtürmen Flaggen mit der Ja-Parole. Zur Abstimmung über die Initiative kommt es am 29. November. (no)