Zusammenarbeit der Kovi-Gegner mit furrerhugi sorgt für Kritik

Das kirchliche «Ethikkomitee gegen die Konzernverantwortungsinitiative» erhält bei seiner Kampagne Unterstützung von der Agentur furrerhugi – pro bono, wie aus einem aktuellen Interview hervorgeht. Die Verbindung stösst auf Skepsis.

Noch zwei Monate dauert es bis zur Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative, kurz Kovi. Doch schon jetzt sorgt die Vorlage für Spannungen innerhalb der Kirchen: Über 600 Kirchgemeinden und Pfarreien haben sich unter «Kirche für Konzernverantwortung» zusammengeschlossen, um der Initiative zu einem Ja zu verhelfen. Hinzu kommen mehrere Landeskirchen, kirchliche Organisationen sowie die Schweizer Bischofskonferenz und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS).

An diesem Aufgebot stört sich wiederum das kürzlich gegründete «Ethikkomitee gegen die Kovi», dem rund 40 Personen mit zumeist kirchlichem Hintergrund angehören und das sich von der PR-Agentur furrerhugi unterstützen lässt. Pikant daran: furrerhugi zählt zu seinen Kunden auch den Konzern Glencore, der von den Initianten wegen seiner Geschäftspraktiken im Ausland kritisiert wird. Vergangenen Herbst meldeten zudem mehrere Zeitungen, der Wirtschaftsdachverband economiesuisse habe die Agentur für ihre Kampagne gegen die Kovi engagiert und dafür ein Budget von bis zu acht Millionen Franken bereitgestellt.

«Kein Beigeschmack»

Nun wurde bekannt, dass furrerhugi gratis für das «Ethikkomitee» arbeitet. In einem Interview mit kath.ch vom 22. September sagte Ulrich Knoepfel, reformierter Glarner Kirchenratspräsident und Mitglied im Komitee, die Agentur erhalte von ihnen kein Honorar. «Wir versuchen aber über Spenden einen Beitrag zu leisten, etwa für den Betrieb der Website unternehmensethik.ch

Auf Nachfrage präzisiert Andreas Hugi, CEO der Agentur, die Zusammenarbeit mit dem «Ethikkomitee». Dieses habe sich entschieden, bei der wirtschaftspolitischen Bewegung succèSuisse mitzumachen. Zu deren Trägerschaft gehören etwa die Bundespolitiker Ruedi Noser (FDP, ZH) und Gerhard Pfister (CVP, ZG) oder der Unternehmer Peter Spuhler. Die Geschäftsstelle leitet Andreas Hugi selbst.

Laut Knoepfel habe man intern diskutiert, ob die Zusammenarbeit mit der Agentur «einen Beigeschmack» habe; man sei aber zum Schluss gekommen, dass dies nicht der Fall sei. In einem früheren Interview hielt Knoepfel ausserdem fest, dass das Komitee «nicht auf Befehl der Wirtschaft» entstanden sei.

«Verbindung weckt ungute Assoziationen»

Dennoch stösst die Zusammenarbeit mit der bekannten PR-Agentur einigen Reformierten sauer auf. Die Schaffhauser Kirchenrätin Sabine Dubach etwa wurde angefragt, ob sie sich ein Engagement beim Ethikkomitee vorstellen könne. Sie sagte ab – einerseits, weil die Schaffhauser Kirchenexekutive einsteht für «Kirche für Konzernverantwortung» und sie sich nicht dagegen stellen wollte. Andererseits aber auch, weil ihr die Verbindung zwischen furrerhugi und dem «Ethikkomitee» missfällt, wie sie gegenüber ref.ch sagt. «Die Agentur macht sicherlich gute Arbeit. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass man sich von jemandem hätte beraten lassen, der nicht schon einen Wirtschaftsverband in dieser Sache vertritt.» Insgesamt bedauert Dubach – selbst FDP-Mitglied – die Emotionalität, die der Abstimmungskampf innerhalb der Kirche mittlerweile angenommen hat.

«Die Verbindung via furrerhugi zu Glencore und economiesuisse weckt bei mir ungute Assoziationen», sagt auch die reformierte Bündner Kirchenrätin Barbara Hirsbrunner, die zugleich Mitglied im Stiftungsrat von Brot für alle ist. Dass mit Ulrich Knoepfel gar ein Ratsmitglied der EKS im Komitee aktiv ist, empfinde sie als «No-Go».

Kollegialitätsprinzip verletzt?

Hirsbrunner hatte das Thema schon an der Synode der EKS vom 13. und 14. September aufgebracht. Während der Fragestunde wollte sie vom Rat wissen, wie dieser zu dem Umstand stehe, dass sich ein Ratsmitglied «dem Kollegialprinzip widersetzt, das ethische Wirtschaften von Brot für alle in Frage stellt und sich gegen die Haltung der EKS stellt.» Der Rat hatte eingeräumt, dass das Kollegialitätsprinzip geritzt worden sei. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass es ihm wichtig sei, einen guten Umgang mit Minderheitsmeinungen zu finden.

Die Initiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» will, dass Schweizer Konzerne in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung haften, die sie oder ihre Tochterfirmen im Ausland verursachen. Menschen, die im Ausland von Konzernen geschädigt wurden, sollen hier in der Schweiz eine Klage einreichen können. Vorangetrieben wurde die Initiative von verschiedenen Organisationen wie etwa Greenpeace, Amnesty International oder dem reformierten Hilfswerk Brot für alle.

Im «Ethikkomitee gegen die Kovi» sitzen neben Ulrich Knoepfel unter anderem die Zürcher Kirchenrätin Katharina Kull-Benz, der Mediensprecher des Bistums Chur Giuseppe Gracia oder der reformierte Berner Pfarrer Bruno Bader.