Krieg im Nahen Osten

Uni Bern löst Nahost-Institut auf

Die Universität Bern muss das Nahost-Institut neu ausrichten. Sie reagiert damit auf die Ergebnisse einer Administrativuntersuchung. Auslöser dafür waren diskriminierende Tweets eines Dozenten.

Das Nahost-Institut der Universität Bern wird in seiner jetzigen Form aufgelöst, schreibt die Universitätsleitung in einer Mitteilung. Bis Ende Juni muss die Fakultät vorlegen, wie das Fachgebiet neu ausgerichtet wird. Die Institutsleiterin wird abgemahnt: Ihr Führungsverhalten hat sich im Rahmen der Administrativuntersuchung als mangelhaft herausgestellt.

Kurz nach den Angriffen der radikal-islamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 postete ein Dozent des Insituts für Studien zum Nahen Osten und zu muslimischen Gesellschaften (ISNO) Mitteilungen auf der Plattform X. Darin feierte er die Attacke der Terrororganisation (ref.ch berichtete).

Die Universitätsleitung reagierte schnell und entliess den Dozenten fristlos. Ausserdem leitete sie eine Administrativuntersuchung ein. Die Universität Bern verurteile jede Form von Gewalt und Diskriminierung, lässt sich Rektor Christian Leumann in der Mitteilung zitieren.

Für die Dauer der Untersuchung wurde die Co-Institutsleiterin von ihren Aufgaben entbunden. Laut dem Untersuchungsbericht habe sie einen «übertrieben informellen Führungsstil» gepflegt und es habe am Institut Interessenskonflikte sowie Abhängigkeiten von Mitarbeitenden von der Institutsleitung gegeben.

Die Co-Institutsleiterin wird nun wieder in ihr Amt eingesetzt, die Universitätsleitung auferlegt ihr jedoch Bedingungen: Sie müsse einen professionellen Führungsstil annehmen und die Grenze zwischen wissenschaftlicher Tätigkeit und «politischer Implikation» respektieren. Rektor Leumann sagt, politische Stellungnahmen hätten an der Universität keinen Platz. Die Forschung habe nach breit abgestützten wissenschaftlichen Kriterien zu erfolgen.

Das Nahost-Institut muss sich methodisch und inhaltlich verändern. Es soll künftig einen grösseren Bereich abdecken von Religion, Sprache und historischer Perspektivem, wie es in der Mitteilung heisst.

Der Bericht hält aber auch fest, dass das ISNO in seiner früheren Form international konkurrenzfähig gewesen sei und Anerkennung genossen habe. (dst)