Vereinigte Staaten

Religiöse Hardliner wollen USA zur «christlichen Nation» erklären

Eine Studie des Pew Research Centers zeigt, dass eine Mehrheit der US-Amerikaner den christlichen Nationalismus ablehnt. Dieser wird jedoch von der Trump-Regierung gefördert. An einem religiösen Event in Washington versuchte das Trump-Lager gar, die Gründungsgeschichte der USA umzuschreiben.
Anlässlich von Feierlichkeiten zum 250-Jahr-Jubiläum der Gründung der Vereinigten Staaten ist in Washington ein Gebetstag für Tausende Evangelikale veranstaltet worden. Auch der US-Präsident sprach zu den Gläubigen. (Bild: Julia Demaree Nikhinson/ Keystone)

Die National Mall in Washington vereint einige der wichtigsten Denkmäler der USA mit dem Weissen Haus und grossen Freiflächen. Hier sprach Martin Luther King, hier werden die US-Präsidenten vereidigt. Und just an diesem Ort versammelten sich am Wochenende Tausende us-evangelikale Christinnen und Christen, um zu feiern und zu beten (ref.ch berichtete).

Finanziert hatte den Event die Trump-Regierung mit Steuergeldern in Millionenhöhe. Bekannte evangelikale Pastoren aus dem ganzen Land sprachen zu den Menschen ebenso wie Vizepräsident JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Der US-Präsident Donald Trump selbst liess sich live aus dem Weissen Haus zuschalten. Die «Washington Post» beschrieb die Situation so: «Trump, der nicht dafür bekannt ist aus der Bibel zu zitieren, las eine Passage in der Gott verspricht, die Israeliten zu heilen, wenn sie bereit sind zu beten und Gott in Demut zu begegnen.»

Trennung von Kirche und Staat aufheben

Wie die Zeitung weiter schreibt, sei es bis zum Beginn von Trumps zweiter Amtszeit nicht vorgekommen, dass ein Vertreter der US-Regierung öffentlich die Nation mit einem bestimmten Glauben verknüpfte. Trumps Kabinettsmitglieder hätten das geändert.

So sagte etwa Aussenminister Marco Rubio, der christliche Glaube sei schon immer «die Seele» der US-amerikanischen Nation gewesen. Laut der «Washington Post» hätten viele der Redner an der achtstündigen Veranstaltung die USA als ein Land definiert, das gegründet wurde, um «ausdrücklich christlich» zu sein.

Studie: Kirchen sollen nicht politisch sein

Die Grossveranstaltung täuscht darüber hinweg, dass diese Version der Geschichte keineswegs von einer Mehrheit der US-Bürgerinnen und Bürger geteilt wird. Eine aktuelle Studie des Pew Research Centers zeigt das genaue Gegenteil.

Das nichtstaatliche Meinungsforschungsinstitut hat rund 3600 erwachsene Menschen in den USA zum Verhältnis von Staat, Politik und Religion befragt. Zwar halten 55 Prozent der Befragten den Einfluss von Religion auf Politik und Gesellschaft für etwas Positives, doch die meisten lehnen ab, dass Kirchen eine politische Rolle übernehmen.

So meinen 79 Prozent der Befragten, Kirchen sollten keine Kandidierenden unterstützen. 66 Prozent finden gar, sie sollten sich aus aktuellen politischen Fragen heraushalten. Dabei ist Verteidigungsminister Pete Hegseth bekannt dafür, gerne und inbrünstig öffentlich zu beten. Evangelikale Gebete hat er im Pentagon und bei Treffen mit Vertretern der Streitkräfte institutionalisiert. Das hat unter anderem zu einer Beschwerdewelle von Angehörigen der Streitkräfte geführt (ref.ch berichtete).

Die «Pulp Fiction»-Panne

Mitte April zitierte er beim Treffen mit Soldatinnen und Soldaten im Pentagon eine Passage, die vermeintlich aus dem Alten Testament stammt. Wie der britische «Guardian» und andere Zeitungen berichteten, handelte es sich dabei jedoch um den Text einer berühmten Szene aus dem Hollywood-Streifen «Pulp Fiction» von Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino.

Gleichzeitig ist Hegseth eine treibende Kraft, in den USA den «christlichen Nationalismus» zu etablieren. Kritiker befürchten, dass sich dahinter die Idee der «Vorherrschaft der weissen Rasse» verbirgt (ref.ch berichtete).

Das Pew Research Center schreibt in seiner Studie, der Begriff «christlicher Nationalismus» sei bekannter geworden: 59 Prozent haben zumindest etwas davon gehört. Die Haltung bleibt mehrheitlich kritisch oder unentschieden: 31 Prozent der Befragten bewerten christlichen Nationalismus negativ, 10 Prozent positiv.

«Amerika ist keine christliche Nation.»

Die Studie zeigt weiter, dass die Trump-Regierung in der Tat einen weiten Weg vor sich haben dürfte, um die Vereinigten Staaten zu einer christlichen Nation zu machen. Denn nur 17 Prozent der US-Erwachsenen wollen, dass das Christentum offizielle Religion der USA wird – gegenüber 2024 sind dies immerhin vier Prozentpunkte mehr. Doch eine Mehrheit lehnt diese Vorstellung ab: 43 Prozent wollen nur christliche moralische Werte gefördert sehen, 38 Prozent wollen weder eine Staatsreligion noch staatliche Förderung christlicher Werte.

Amerikanische Historiker veröffentlichten anlässlich des Massengebets ein Statement, in dem sie klar machten, dass die US-Gründerväter mit Absicht in der Verfassung eine Distanz zwischen Kirche und Staat festgeschrieben hatten. Oder wie es eine Gegendemonstrantin in Washington auf ein Schild geschrieben hatte: «Amerika ist keine christliche Nation.» Sie stand acht Stunden lang am Rand des Events und hielt das Schild in die Höhe.

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